Ausgabe Juli 2009, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Arnreiter Landler

Der Arnreiter Landler wurde 1924 von Hermann Derschmidt in Altenfelden etwa 6 km südlich von Arnreit in Oberösterreich aufgezeichnet. Arnreit liegt ca. 5 km südlich von Rohrbach. Alle diese Orte findet man auf der Landkarte etwa 40 km östlich von Passau im Mühlviertel. Eine Beschreibung des Tanzes gibt es im Buch: "Tänze aus Oberösterreich" von Hermann Derschmidt auf Seite 205 ff (ISBN 3-85393-032-8) herausgegeben 1985, sowie im Heft vier, Seite 11 ff, von "Spinnradl, Unser Tanzbuch" Musikverlag Josef Preissler, München, herausgegeben 1974 von Erna Schützenberger und Hermann Derschmidt. Die beiden Tanzbeschreibungen sind allerdings nicht identisch.
Der Arnreiter Landler wird in unserer Gegend in Tanzkreisen gepflegt und kommt gelegentlich auch auf anspruchsvolleren öffentlichen Tanzfesten vor. Die nachfolgende Beschreibung spiegelt die hiesige Tanzpraxis wider.
Musikquelle: CD2 "Tänze aus Oberösterreich", LC6575, sw 010083-2.
Bezugsquelle: OÖ Volksliedwerk A-4020 Linz, Landstraße 31.
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare auf der Kreisbahn mit Blick in Tanzrichtung. Das Dirndl ist auf der rechten Seite vom Burschen, die Arme hängen zwanglos herab. Die Innenhände sind gefaßt. Die Außenhände können auch in Hüfthöhe am Rücken angelegt sein.
Takte Schritte und Bewegungen
Einleitung: Gehen im Dreierschritt, die Innenarme schwingen hin- und her.
1-4 Die gefaßten Innenhände schwingen im ersten Takt vor, im zweiten zurück und dann wieder vor und zurück. Es ist nicht so wichtig, die Armschwingungen genauso auszuführen, solange im vierten Takt der Einleitung die Hände gegen Tanzrichtung geführt werden, damit die erste Figur des Landlers mit Vorschwingen der Hände beginnen kann. Die Paare gehen dabei im Dreierschritt in Tanzrichtung, der beim Arnreiter Landler ein Gehen im Dreivierteltakt ist, wobei der zweite Schritt nur etwas kürzer ausfällt als die beiden anderen Schritte. Die Außenfüße beginnen.
1. Figur: Schwingen der Innenarme, "Hint'umi",
                Einzeldrehung des Burschen ↷ mit doppeltem Handwechsel.
1 Die Paare schwingen die gefaßten Innenhände in Tanzrichtung vor und wenden sich dabei ein wenig auseinander.
2 Gleichzeitig mit dem Rückschwingen der Hände dreht sich der Bursch eine halbe Drehung im Uhrzeigersinn , sodaß er gegen Tanzrichtung blickt. Das Dirndl streckt den linken Arm zur Seite Richtung Kreismitte und der Bursch hakt seinen angewinkelten linken Arm unter ihren ausgestreckten linken. Die linken Unterarme liegen fast parallel nebeneinander. Mit der rechten Hand hält er nach wie vor die linke seines Dirndls. Der rechte Unterarm des Burschen wird nahezu waagerecht in Brusthöhe vor seinem Oberkörper gehalten.
3-6 In dieser Armhaltung kreisen die Paare mit Dreierschritten 1¾ mal gegen den Uhrzeigersinn  um die Paarachse ("Hint'umi"). Der Bursch blickt dann zur Kreismitte, löst die Umschlingung des linken Dirndlarmes auf, hebt die rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls und geht mit einer viertel Drehung im Uhrzeigersinn  um die eigene Achse durch das Armtor und senkt die gefaßten Hände auf Hüfthöhe. Das Dirndl dreht sich gleichzeitig eine viertel Drehung gegen den Uhrzeigersinn  weiter. Am Ende von Takt 6 schauen beide in Tanzrichtung.
Das Kreisen um die Paarachse, das Gehen des Burschen durch das Tor und das Weitergehen des Dirndls zum Blick in Tanzrichtung gehen fließend ineinander über, sodaß die Beschreibung der Positionen zu den gewissen Taktzeiten nur ein Anhalt dafür sein können, wo sich die Tanzenden zu den entspechenden Zeiten in etwa befinden sollten.
7 Der Bursch dreht sich rasch ein ganzes mal im Uhrzeigersinn  am Ort um die eigene Achse und macht dabei einen doppelten Handwechsel: Zu Beginn der Drehung übergibt er die linke Dirndlhand von seiner rechten in seine linke und im Verlauf der Drehung, wenn er ihr gerade den Rücken zuwendet, übernimmt er ihre linke wieder mit seiner rechten Hand. Das Dirndl bleibt am Platz, es dreht sich nicht, macht aber einen Dreiertritt am Ort.
8 Beide tanzen einen Dreierschritt fast am Ort und schwingen die gefaßten Innenhände etwa hüfthoch gegen Tanzrichtung.
2. Figur: Innenarme 4 mal schwingen, Dirndl umrunden, sie dreht 1 mal↶,
                Einzeldrehung des Burschen ↷ mit doppeltem Handwechsel.
1-4 Beide gehen im Dreierschritt in Tanzrichtung und schwingen die Innenarme zweimal abwechselnd vor und zurück.
5,6 Zu Beginn des 5. Taktes macht der Bursch mit den gefaßten Innenhänden ein kurze, schnelle Bewegung in Tanzrichtung ("Hakerl"), hebt dann die Innenhände über Kopfhöhe, unter denen sich das Dirndl langsam (zwei Takte Zeit) mit zwei Dreierschritten einmal gegen den Uhrzeigersinn  dreht, während er sie einmal im Uhrzeigersinn  umrundet. Am Ende von Takt 6 senkt er die Innenhände auf Hüfthöhe, beide haben die Front in Tanzrichtung.
7,8 Der Bursch dreht sich rasch ein ganzes mal im Uhrzeigersinn  am Ort um die eigene Achse und macht dabei einen doppelten Handwechsel. Das Dirndl bleibt am Platze mit Blick in Tanzrichtung. Am Schluß von Takt 8 schwingen die gefaßten Innenarme gegen Tanzrichtung wie in den Takten 7 und 8 der 1. Figur beschrieben.
3. Figur: Innenarme 4 mal schwingen, Dirndl umrunden, sie dreht 3 mal↶,
                Einzeldrehung des Burschen ↷ mit doppeltem Handwechsel.
1-4 Beide gehen im Dreierschritt in Tanzrichtung und schwingen die Innenarme zweimal abwechselnd vor und zurück.
5,6 Nach dem Hakerl zu Beginn des 5. Taktes umrundet der Bursch mit zwei Dreierschritten sein Dirndl einmal im Uhrzeigersinn , während sie sich in zwei Takten unter den Innenhänden dreimal gegen den Uhrzeigersinn  dreht. Am Ende von Takt 6 senkt er die Innenhände; beide blicken wieder in Tanzrichtung.
7,8 Der Bursch dreht sich rasch ein ganzes mal im Uhrzeigersinn  am Ort um die eigene Achse und macht dabei einen doppelten Handwechsel. Das Dirndl behält die Front in Tanzrichtung tanzt aber Dreiertritte am Platz. Am Schluß von Takt 8 schwingen die gefaßten Innenarme gegen Tanzrichtung wie in den Takten 7 und 8 der 1. Figur beschrieben.
Die dritte Figur ist identisch mit der zweiten mit der Ausnahme, daß sich das Dirndl dreimal um die eigene Achse dreht, während er sie einmal umrundet.
Wiederholen der Figuren 1-3.
1-8 Vorschwingen der Innenarme. Beim Rückschwingen dreht sich der Bursch ein halbes mal im Uhrzeigersinn  und legt seinen linken Arm von unten auf den zur Kreismitte gestreckten linken Dirndlarm. Die Paare kreisen 1 ¾ mal gegen den Uhrzeigersinn . Wenn der Bursch zur Kreismitte blickt, geht er mit einer viertel Drehung im Uhrzeigersinn  durch das Armtor, gebildet aus seinem rechten und ihrem linken Arm. Es folgt die schnelle Drehung des Burschen im Uhrzeigersinn  und der Rückschwung der gefaßten Innenhände.
9-16 Die Tanzenden gehen im Dreierschritt in Tanzrichtung und schwingen Innenarme in den ersten vier Takten vor, zurück und wieder vor und zurück. Dann umrundet der Burch sein Dirndl, welches sich einmal unter den über Kopf gehobenen Innenhänden gegen den Uhrzeigersinn  dreht. In den Takten 15 und 16 führt der Bursch die schnelle Drehung im Uhrzeigersinn  durch und schwingt zum Schluß die gefaßten Innenhände gegen Tanzrichtung.
17-24 Gehen im Dreierschritt in Tanzrichtung und schwingen Innenarme wie zuvor. Der Bursch umrundet sein Dirndl, welches sich jetzt drei mal unter den Innenhänden gegen den Uhrzeigersinn  dreht. Die schnelle Drehung im Uhrzeigersinn  und das Rückschwingen der gefaßten Innenhände gegen Tanzrichtung geschehen wie gehabt.
Kadenz: Gehen im Dreierschritt und Armschwingen.
1-4 Die Innenhandfassung vom Ende der letzten Figur bleibt erhalten. Mit den Außenfüßen beginnend gehen die Paare im Dreierschritt in Tanzrichtung und schwingen die Innenarme viermal: Im ersten Takt vor, im zweiten zurück, dann wieder vor und zurück. Am Ende von Takt 4 nehmen die Tanzenden Armringfassung ein, in der der nachfolgende Walzer getanzt wird
4. Figur: Sechs Takte ausgetretener Walzer, anschießend paschen.
1-6 Bei der Armringfassung legt der Bursch seine rechte Hand an den Rücken des Dirndls und sie ihre linke Hand auf seinen rechten Oberarm, wie bei der gewöhlichen Fassung. Der Bursch faßt mit seiner linken Hand sein Dirndl am rechten Ellenbogen und sie legt ihre rechte Hand auf seinen linken Ellenbogen. In dieser Fassung tanzen die Paare sechs Takte bewußt ausgetretenen Rechtswalzer.
7,8 In Takt 7 löst er die Fassung und klatscht im dritten Viertel und in Takt 8 im ersten Viertel je einmal in die eigenen Hände. Beide gehen währenddessen mit zwei Dreierschritten in Tanzrichtung; das Dirndl ist nicht beim Burschen untergehakt.
5. Figur: Umgang und paschen im Dreivierteltakt.
1-8 Die Burschen gehen im Dreierschritt in Tanzrichtung und paschen gleichmäßig dreimal pro Takt. Ab dem fünften Takt kann zwischengepascht werden. In Takt 8 wird nur im ersten Viertel einmal in die Hände geklatscht. Die Dirndl gehen in Dreierschritt neben den Burschen her.
Am Ende von Takt 8 bleiben alle stehen und wenden sich zur Kreismitte. Die Dirndl stehen hinter ihren Burschen.
6. Figur: Im Kreis stehen und singen im Zweivierteltakt.
1-8 Die Burschen stehen im Kreis mit der Front zur Mitte, die Dirndl dahinter. Alle singen einen Vierzeiler im Zweivierteltakt.
7. Figur: Im Kreis stehen und paschen im Zweivierteltakt.
1-8 Es gibt verschiedenen Paschrhythmen, die mehr oder weniger viel Können und Übung erfordern. Recht einfach ist es, wenn die Burschen im ersten, dritten, fünften und siebten Takt zweimal paschen, also pro Zählzeit einmal, und im zweiten, vierten und sechsten Takt in Achtelwerten, also pro Zählzeit zweimal und im achten Takt in der ersten Zählzeit zweimal und in der zweiten Zählzeit nur einmal.
/ /   ////   / /   ////   / /   ////   / /   ///     Jeder schräge Strich steht für einen Pascher.

Damit ist ein Durchgang beendet. Üblicherweise werden zwei- oder drei solcher Durchgänge nacheinander getanzt, wobei jedesmal auch die Einleitung (Gehen im Dreierschritt, und hin- und herschwingen der Innenarme) dazugehört.
Nach Hermann Derschmidt sollte beim "Hint'umi" in Figur 1 und wenn möglich auch bei den Figuren 2 und 3 sowie deren Wierderholung gesungen werden. In der Münchner Gegegend beschränkt sich das Singen jedoch meistens auf die Figur 6. Nachfolgend einige Vierzeiler, die zu diesem Landler passen und bei der ersten Figur gesungen werden können:

Die folgenden Vierzeiler könnten beim "Hint'umi" gesungen werden:
Auf und auf, waschlnaß,
D'Schuah voller Sand!
Und wanns'd mi net heiratst,
Aft z'reiß i da's Gwand!
Für d'Flöh gibts a Puiva,
Für d' Schuah gibts a Wix.
Für'n Durscht gibts a Wassa,
Für d'Dummheit gibts nix.
D'Atomkraft de soll
jetzt de Dampfkraft vatreibn;
I hab nix dagegn,
Wann nur d'Dampfnudln bleibn!

In der Figur 6 im Zweivierteltakt zu singen:
Die Donau is ins Wasser g'falln, der Eisstoß is vabrennt.
Da is der Wiener Stephansdom mit'm Stroh zum Löschen grennt!