Ausgabe Juni 2009, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Berger Landler

Der Berger Landler stammt aus dem nördlichen Mühlviertel. Dr. Hermann Jülg hat ihn in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in Altenhof aufgezeichnet und ihn in "Tänze unserer Heimat", Dritter Teil, Tanzbeschreibungen, auf den Seiten 11-13 veröffentlicht. Fast dieselbe Form wurde auch aus Putzleindorf berichtet, welches 30 km östlich von Passau liegt. Ich habe den Tanz 1989 auf einer Tanzwoche mit Erwin Tessaro in Spiegelau kennen gelernt, auf öffentlichen Tanzfesten kommt er in unserer Gegend nur sehr selten vor. Der Berger Landler dürfte wohl hauptsächlich in Tanzkreisen gepflegt werden.
Musikquelle:  Lehrgangs-MC.
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare auf der Kreisbahn, alle mit Blick in Tanzrichtung. Die Burschen haben ihr Dirndl an der rechten Hand in offener Führungsfassung (die Innenhände sind gefaßt und in Schulterhöhe gehalten, die Arme sind angewinkelt), und stehen so dicht hintereinander, daß sie dem jeweiligen Vordermann am Ende des Vorspiels die linke Hand auf die linke Schulter legen können. Keine Tanzbewegung während der musikalischen Einleitung und des darauffolgenden Auftaktes.
Der Berger Landler ist ein Gruppentanz im dreiviertel Takt mit Partnerwechsel.
Takt Schritte und Bewegungen
Einleitung: Linke Hand auflegen.
1-4 Keine Tanzbewegung während der musikalischen Einleitung. Am Ende des Vorspiels legen die Burschen dem Vordermann die linke Hand auf die linke Schulter.
1. Figur: Burschen gehen vorwärts im Kreis.
                Dirndl hüpfen Richtung kreisaußen und Kreismitte.
1 Die Dirndl hüpfen dreimal, auf jedes Viertel des Taktes einmal, auf dem Außenfuß (rechter Fuß) schräg vorwärts in Richtung kreisaußen, wobei der Bursch sein Dirndl durch Strecken des rechten Armes nach außen führt. Der linke Arm vom Dirndl muß angespannt sein, damit die Führung des Burschen nicht in Leere geht. Am Ende sind die Innenarme von Bursch und Dirndl gestreckt. Der Bursch macht, mit links beginnend, einen Dreierschritt in Tanzrichtung.
2 Die Dirndl hüpfen dreimal auf dem linken Fuß schräg vorwärts in Richtung Kreismitte zum Burschen zurück, wobei er durch Anwinkeln des Armes die Richtung vorgibt und die Bewegung des Dirndls unterstützt. Der Bursch macht, mit rechts beginnend, einen Dreierschritt in Tanzrichtung.
3-8 Die Dirndl wiederholen das Hüpfen Richtung kreisaußen und Kreismitte, wie in den Tankten 1 und 2 beschrieben, noch dreimal, führen diese Bewegung also insgesamt viermal aus. Im letzten Viertel des 8. Taktes machen sie einen Schlußsprung, wobei sie auf beiden Füßen zu stehen kommen und den Burschen anschauen (Blickkontakt). Die Burschen gehen im Dreierschritt und führen die Dirndl mit der rechten Hand indem sie den rechten Arm austrecken und anwinkeln.
9-16 Wiederholung der Tanzbewegungen wie in den Takten 1-8 beschrieben.
Zu Beginn der Wiederholung spielt die Musik einen Auftakt, der nicht getanzt wird. Es entsteht dadurch eine kleine Pause, die die Paare dazu nutzen, sich anzuschauen.
Wenn das Hüpfen Schwierigkeiten macht, können die Dirndl ersatzweise auch im Dreierschritt Richtung kreisaußen und Richtung Kreismitte gehen.
2. Figur: Paschen, auseinander und zueinander gewendet.
1 Zu Beginn des ersten Taktes lösen die Burschen alle Handfassungen.
Alle machen einen Dreierschritt am Platz und klatschen dreimal in die eigenen Hände, die Burschen mit dem Oberkörper ein wenig Richtung Kreismitte, die Dirndl entsprechend Richtung kreisaußen gewendet.
2 Jeder wendet sich dem eigenen Partner bzw. dem Partner zu, den er in der vorhergehenden Figur hatte und klatscht dreimal in die ungleichnamigen Hände des Gegenübers. Alle bewegen sich mit einem kleinen Dreierschritt in Tanzrichtung.
3 Wie in Takt 1 klatschen alle dreimal in die eigenen Hände, die Burschen Richtung Kreismitte, die Dirndl Richtung kreisaußen gewendet. Die Burschen tanzen Dreierschritte am Platz, die Dirndl gehen dabei jedoch mit einem Dreierschritt in Tanzrichtung zum nächsten Burschen weiter.
4 Alle wenden sich dem neuen Partner zu, paschen mit ihm dreimal in die ungleichnamigen Hände, und gehen dabei mit einem kleinen Dreierschritt in Tanzrichtung weiter.
5-7 Alle paschen voneinander abgewendet, wie in Takt 3 beschrieben, die Dirndl gehen einen Burschen weiter. Dann wenden sich die Tanzenden zueinander und paschen mit dem neuen Partner. In Takt 7 paschen alle wieder voneinander abgewendet dreimal in die eigenen Hände, die Dirndl gehen einen Burschen weiter.
8 Alle klatschen in die Hände des neuen Partners, aber diesmal nur einmal im ersten Viertel des Taktes. In der restlichen Zeit bleiben die Hände aneinander gelegt, die Tanzenden verharren in dieser Haltung und schauen sich an.
9-16 Wiederholung der Tanzbewegungen genau so wie in den Takten 1-8 der zweiten Figur beschrieben. Das führt dazu, daß man im Verlauf der zweiten Figur zweimal nacheinander mit dem gleichen Gegenüber pascht, nämlich in Takt 8 und Takt 9. Die Dirndl kommen dabei in der gesamten Figur 2, also bei insgesamt 16 Takten, um sechs Burschen in Tanzrichtung weiter.
Anmerkung: Bei der Ausführung der Figur 2 gibt es eine Variante, die z.B. im Tanzkreis von Ingeborg Heinrichsen praktiziert wird. Bei der Wiederholung (Takte 9-16) gehen die Dirndl schon bei Takt 10 im Dreierschritt zum nächsten Burschen weiter. Bei dieser Art, die zweite Figur zu tanzen, kommen die Dirndl bei der gesamten Figur 2 um sieben Burschen in Tanzrichtung weiter.
Bei beiden Versionen sollte sich der Burschenkreis im Verlauf der zweiten Figur ein wenig geweitet haben, damit sich die Tanzenden bei der nachfolgenden nicht gegenseitig behindern.
3. Figur: Seitstellschritte mit Armschwingen.
                Dirndl im ↷ und gegen den Uhrzeigersinn ↶ drehen.
1 Die Burschen wenden sich nun vollends im Uhrzeigersinn  mit dem Rücken zur Kreismitte, nehmen Beidhandfassung mit dem Dirndl ein, mit der sie in Takt 16 der vorherigen Figur gepascht haben. Die ungleichnamigen Hände sind gefaßt. (Er faßt also mit der Rechten ihre Linke und mit der Linken ihre rechte Hand.) Der Bursch senkt die gefaßten Hände und hält sie etwa hüfthoch dicht nebeneinander.
Alle machen einen Seitstellschritt in Tanzrichtung: Der Bursch stellt den linken Fuß nach links, also in Tanzrichtung, führt den rechten nach und überträgt das Gewicht im letzten Viertel des Taktes auf diesen. Das Dirndl macht die Fußbewegung gegengleich. Die gefaßten Hände schwingen leicht in die gleiche Richtung.
2 Alle machen einen Nachführschritt (= Seitstellschritt ohne Gewichtsübertragung auf den im letzten Viertel des Taktes nachgeführten Fuß) in Tanzrichtung, der Bursch beginnt mit dem linken, das Dirndl mit dem rechten Fuß und schwingen die Arme etwas in die gleiche Richtung.
3,4 Es folgen ein Seitstell- und ein Nachführschritt gegen Tanzrichtung mit jeweiligem Schwingen der gefaßten Hände gegen Tanzrichtung. Er startet mit dem rechten, sie mit dem linken Fuß
Anmerkung: Beim Schwingen der Hände in der Figur 3 gibt es eine Variante, die z.B. im Tanzkreis von Ingeborg Heinrichsen praktiziert wird. Der Bursch führt die gefaßten Hände nicht waagerecht sondern in den Takten 1 und 2 je einmal in einem kleinen Kreis von unten über oben im Uhrzeigersinn  und in den Takten 3 und 4 je einmal in einem kleinen Kreis gegen den Uhrzeigersinn  herum (vom Burschen aus gesehen).
5,6 Der Bursch löst die Fassung der linken Hand. Er hebt die rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls und dreht sie mit einer leicht kurbelnden Bewegung, an deren Ende er seine rechte Hand wieder in Hüfthöhe hält, einmal im Uhrzeigersinn . Er stoppt die Drehung ab, indem er seine linke Hand an den linken Ellenbogen des Dirndls legt, sobald sie wieder die Front zur Kreismitte gewendet hat.
7,8 In entsprechender Weise dreht der Bursch das Dirndl mit der rechten Hand einmal gegen den Uhrzeigersinn , und stoppt die Bewegung dadurch ab, daß er mit seinem rechten Unterarm ihren linken Unterarm am Ellenbogen berührt und so ein Weiterdrehen des Dirndls verhindert (Ellenbogenbremse). Im ersten Viertel des achten Taktes stampft der Bursch mit dem rechten Fuß.
Das Stoppen der Dirndldrehung gelingt am besten, wenn Bursch und Dirndl nahe genug beisammen bleiben, damit z.B. bei der "Ellenbogenbremse" beide Ellenbogen eines Paares in etwa aneinander liegen.
9-16 Wiederholen der Tanzbewegung der Takte 1-8 der dritten Figur.
Zwischenspiel bzw. Kadenz: Die Tanzgruppe ordnet sich.
1-4 Während des Zwischenspiels ordnen sich die Tanzpaare zum Anfangskreis, falls ein weiterer Durchgang des Landlers getanzt werden soll. Die Paare gehen in Führungsfassung zwei oder drei Schritte und legen erst danach wieder die linke Hand dem Vordermann auf die linke Schulter. Während der Kadenz am Schluß des Tanzes ordnen sich die Paare auch, das erneute Handauflegen unterbleibt.

Der Landler kann mehrere Male nacheinander getanzt werden. Jeder weitere Durchgang beginnt mit Figur 1. Am Ende des Tanzes kann ein Walzer getanzt werden.