Ausgabe November 2009, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Blindenmarkter Landler

Blindenmarkt ist ein Ort in Niederösterreich im Ybbsfeld etwas östlich von Amstetten. In dieser Gegend sind viele Landler beheimatet, die viele sich ähnelnde Elemente enthalten. Herbert Lager beschreibt einige der Landler in der Schriftenreihe Volkstanz Heft 4. ("Landler, Waldviertel und Umland von Ybbs", Graz 1990.) Weitere Veröffentlichungen gibt es von Ludwig Berghold im ersten Band von "Volkstänze aus Niederösterreich" herausgegeben 1975 vom Landesverband der Trachten- und Heimatvereine für Niederösterreich und - in vielen Passagen wortgleich - zu der CD Reihe "Taktvoll" von Franz Huber und Helene Oberradter, herausgegeben 2006 von der Volkskultur Niederösterreich Betriebs GmbH, 3452 Atzenbrugg, Schloßplatz 1. Die folgende Beschreibung des Blindenmarkter Landlers lehnt sich an die von Raimund Zoder in "Österreichische Volkstänze 2.Teil (1948)" veröffentlichte Version an, die sich von der Beschreibung des "Landlers aus Blindenmarkt" (jetzt ebenfalls "Ybbser Landler" genannt) von Herbert Lager deutlich unterscheidet. Hermann Derschmidt hat den Blindenmarkter Landler während einer Volkstanzwoche bei Wels 1976 gezeigt, wie er hier beschrieben wird. In der Münchner Gegend hat man häufiger Gelegenheit, den Blindenmarkter Landler zu tanzen.
Musikquelle:  Lehrgangs-MC.
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare auf der Kreisbahn, das Dirndl steht rechts neben dem Burschen (Flankendoppelkreis), beide mit Blick in Tanzrichtung, Innenhände gefaßt, die Arme hängen zwanglos herab. Die äußeren Hände liegen locker am Rücken an. Es gibt kein Abwarten während des Vorspiels, die Tanzbewegungen beginnen, sobald die Musik zu spielen beginnt.
Takt Schritte und Bewegungen
Vorspiel: Zur Schranke mit 1½ Drehungen ↶. (4 Takte)
1,2 Der Bursch schwingt die gefaßten Innenhände etwas in Tanzrichtung, und dreht sein Dirndl mit einer kreisenden Bewegung der gefaßten Innenhände 1½ mal gegen den Uhrzeigersinn , wobei er die gefaßten Hände im Verlauf der Bewegung über Kopfhöhe hebt. Sie hat nun die Front gegen, er nach wie vor in Tanzrichtung. Er senkt den rechten Arm und streckt ihn waagerecht zur Seite in Richtung kreisaußen, sodaß sie ihn am Ende ihrer Drehung mit den Schultern berührt. Er hindert sie auf diese Weise am Weiterdrehen (Schranke).
3,4 Der Bursch hebt die gefaßten Innenhände über Kopfhöhe und dreht das Dirndl 1½ mal im Uhrzeigersinn  bis zum Blick in Tanzrichtung. Die gefaßten Hände werden vorgeschwungen und die Innenarme fast gestreckt und waagerecht in Tanzrichtung gehalten. Sie kommt bei der Einleitung ein wenig in Tanzrichtung vorwärts, er geht mit zwei Nachstellschritten mit.
Der Nachstellschritt:  Den Außenfuß (linken Fuß) beim ersten Viertel jeden Taktes vorstellen, den rechten nachholen aber erst bei der dritten Zählzeit des betreffenden Taktes mit Gewichtsübertragung auf den Boden neben den linken Fuß stellen. Es gibt keinen Schritt in der zweiten Zählzeit, ähnlich wie beim Fürizwenger. Der Nachstellschritt wurde hier zwar für den linken Fuß beschrieben, er kommt im Laufe des Tanzes aber auch mit dem rechten Fuß vor und wird dann entsprechend gegengleich ausgeführt.
1. Figur: Rundgang mit Stampfschritt. (8 Takte)
1-8 Dirndl: Das Dirndl macht, beim Burschen eingehängt, acht Dreierschritte.
Es ist auch möglich, daß das Dirndl Nachstellschritte macht. Sie beginnt dann mit dem  Außenfuß (rechten Fuß), stellt ihn in der ersten Zählzeit eines jeden Taktes vor, holt den linken in der dritten Zählzeit desselben Taktes nach und stellt ihn mit Gewichtsübertragung neben dem rechten Fuß auf den Boden. Der Schritt ist gegengleich zum Nachstellschritt, den der Bursch in der Einleitung gemacht hat.
Bursch: Der Bursch macht acht Stampfschritte in der folgenden Weise:
1 Erste Zählzeit: Außenfuß (linken Fuß) vorstellen und belasten.
Zweite Zählzeit: Den rechten Fuß nachholen und mit der Spitze neben den linken stellen.
Dritte Zählzeit: Mit betontem Aufsetzen der rechte Ferse (ein kleiner stampfender Aufhupf) das Gewicht auf den rechten Fuß übertragen und das linke Bein zur fast völligen Kniestreckung vorschnellen. Die Fußspitze nahe am Boden lassen.
2-8 Weitere 7 Stampfschritte, wie oben beschrieben.
2. Figur: Zur Schranke mit ½ Drehung ↶, Umgang mit Paschen. (8 Takte)
1 Der Bursch dreht sein Dirndl mit einer kreisenden Bewegung der gefaßten Innenhände ½ mal gegen den Uhrzeigersinn  bis zum Blick gegen die Tanzrichtung. Er senkt den rechten Arm und streckt ihn waagerecht zur Seite, sodaß sie ihn am Ende ihrer Drehung mit den Schultern berührt (Schranke).
2,3 Er hebt die Innenhände über Kopfhöhe, dreht das Dirndl 1½ mal im Uhrzeigersinn  bis zum Blick in Tanzrichtung, löst die Handfassung und pascht in Brusthöhe in die eigenen Hände. Das Dirndl kommt beim Drehen etwas in Tanzrichtung vorwärts, der Bursch geht mit zwei kleinen Nachstellschritten mit.
4-8 Der Bursch pascht auf die erste Zählzeit des vierten und aller weiteren Takte dieses Musiksatzes (in Figur 2 insgesamt 6 mal) und geht mit Nachstellschritten in Tanzrichtung auf der Kreisbahn. Das Dirndl geht im Dreierschritt neben dem Burschen her, keine Drehung.
3. Figur: Linksschultrige Mühle ↶, zur Schranke mit 1½ Drehung ↶. (8 Takte)
1-3 Bursch und Dirndl wenden sich einander zu, nehmen linksschultrige Mühlenfassung ein, und kreisen mit drei Nachstellschritten (Beschreibung siehe oben) eine ¾ Drehung gegen den Uhrzeigersinn . Er beginnt mit dem linken Fuß und schaut am Ende von Takt 3 gegen Tanzrichtung.
4 Der Bursch löst die linke Handfassung, hebt die rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls und geht mit ½ Drehung im Uhrzeigersinn  durch dieses Tor zur Ausgangsaufstellung. (Innenhandfassung, Unterarme waagerecht nach vorne gehalten)
5-8 Dirndl gegen den Uhrzeigersinn  drehen, Schranke machen und sie im Uhrzeigersinn  zurück drehen wie im Vorspiel: Der Bursch dreht sein Dirndl 1½ mal gegen den Uhrzeigersinn , bremst die Drehung mit der Schranke ab, dreht sie 1½ mal im Uhrzeigersinn  bis sie die Front in Tanzrichtung hat und schwingt die gefaßten Innenhände in Tanzrichtung. Er geht währenddessen mit Nachstellschritten mit.
4. Figur: Dirndl  ↷ umrunden, Schranke, und ausdrehen ↷ (6 Takte).
                Diesen Vorgang sechsmal durchführen (36 Takte).
Das Dirndl umrunden, Schranke bilden, und Ausdrehen benötigt jeweils sechs Takte. Es stehen dafür 4 x 8 Takte der "normalen Musik" zur Verfügung. Um auf die erforderlichen 36 Takte zu kommen, nimmt man noch die ersten vier Takte der darauf folgenden sieben-taktigen Kadenz hinzu.
1-4 Unter den gehobenen, gefaßten Innenhänden dreht sich das Dirndl 2½ mal gegen den Uhrzeigersinn  während er sie mit 4 Nachstellschritten, mit dem rechten Fuß beginnend, einmal im Uhrzeigersinn  umrundet. Wenn der Bursch wieder auf dem Innenplatz angekommem ist und die Front in Tanzrichtung hat, senkt er den rechten Arm zur Schranke. Sie blickt gegen Tanzrichtung.
5,6 Der Bursch hebt die Innenhände und dreht das Dirndl 1½ mal im Uhrzeigersinn  bis zum Blick in Tanzrichtung. Die Innenarme werden in Tanzrichtung vorgeschwungen.
Der Bursch geht mit zwei Nachstellschritten mit.
7-12 Dirndl umrunden, Schranke, und ausdrehen, wie in den Takten 1-6 der vierten Figur.
13-18 Dirndl umrunden, Schranke, und ausdrehen, wie in den Takten 1-6 der vierten Figur.
19-24 Dirndl umrunden, Schranke, und ausdrehen, wie in den Takten 1-6 der vierten Figur.
25-30 Dirndl umrunden, Schranke, und ausdrehen, wie in den Takten 1-6 der vierten Figur.
31,32
K 1-4
Dirndl umrunden, Schranke, und ausdrehen, wie in den Takten 1-6 der vierten Figur.
5. Figur: Zur Schranke mit ½ Drehung ↶. (3 Takte)
K 5 Der Bursch dreht sein Dirndl mit einer kreisenden Bewegung der gefaßten Innenhände ½ mal gegen den Uhrzeigersinn  bis zum Blick gegen die Tanzrichtung. Er senkt den rechten Arm und streckt ihn waagerecht zur Seite, sodaß sie ihn am Ende ihrer Drehung mit den Schultern berührt (Schranke).
K 6,7 Er dreht das Dirndl 1½ mal im Uhrzeigersinn  bis zum Blick in Tanzrichtung. Die Arme vorschwingen, Ausgangsstellung einnehmen und mit zwei Nachstellschritten mitgehen, wie bei Takt 3 und 4 des Vorspiels.
6. Figur: Walzer.
1-16 Zweimal acht Takte Walzer zum Abschluß.

Damit ist ein Durchgang des Landler beendet. Wenn zwei Durchgänge getanzt werden, was üblich ist, werden nach der Kadenz (Figur 5) die Figuren 1-5 wiederholt und dann erst der Schlußwalzer getanzt.