Ausgabe März 2015, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Csárdás aus Stinatz

Wie dem Tanzlexikon (Autor: Otto Schneider, Musikverlag B. Schott's Söhne, Weihergarten 5 D-6500  Mainz, ISBN 3-7957-2800-2, erschienen 1985) zu entnehmen ist, kommt der Csárdás aus Ungarn, wo er in den dortigen Ballsälen in der Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts seine Blütezeit hatte. Außer in Ungarn gibt es ihn in verschiedenen Ausformungen auch in den Nachbarländern. So wird der Csárdás aus Stinatz z.B. im südlichen Burgenland als Volkstanz gepflegt. Dieser Ort liegt etwa 65 km südlich von Wienerneustadt und etwa 55 km östlich von Graz. Hier findet man einen Csárdás, der mit abwechselnden Seitstell- und Dreherschritten zuerst langsam und dann schneller werdend getanzt wird. Eine Tanzbeschreibung findet man bei den Lernbehelfen für Volkstänzer, herausgegeben vom Volkstanzverband Burgenland (Verfasser: Jürgen Stampfel [ohne Datum der Veröffentlichung, vermutlich Ende der 1990iger Jahre]) Über den Ursprung des Csárdás gibt es verschiedene Ansichten. Das erste Mal wird er Anfang der 19. Jahrhunderts erwähnt.
In unserer Gegend kommt der Tanz bestenfalls in Tanzkreisen vor, auf einem öffentlichen Tanzfest oder einem Tanzprogramm habe ich ihn noch nicht gesehen.
Musikquelle: CD "Volkstänze aus dem Burgenland", VVB01.
Produktion: Volkstanzverband Burgenland.
Es spielt die Spielmusik Hofstätter.
Tanzbeschreibung
Die Tanzenden stehen sich paarweise auf der Kreisbahn gegenüber, die Burschen im Innenkreis mit Blick nach außen, die Dirndl im Außenkreis mit Blick zur Kreismitte (Stirndoppelkreis). Bursch und Dirndl legen einander die Hände ungekreuzt auf die Schultern (Schulterfassung). Er hat seine Hände mehr außen an den Schultern des Dirndls. Die Musik ist im 2/4-Takt. Bei der oben angegebenen Tanzmusik gibt es keine Einleitung; wenn eine solche bei anderen Musik-Kapellen vorhanden sein sollte, dann wird sie ohne Tanzbewegung abgewartet.
Takt Schritte und Bewegungen
1. Figur: Jeweils zwei seitliche Nachstellschritte in und gegen Tanzrichtung,
                insgesamt viermal.
1 In Schulterfassung machen die Paare zwei Nachstellschritte in Tanzrichtung.
Er beginnt mit dem linken Fuß, setzt ihn etwa einen fußbreit in Tanzrichtung, holt dann den rechten Fuß nach und stellt ihn mit Gewichtsübertragung neben den Linken. Sodann setzt er den linken Fuß ein zweites Mal etwas in Tanzrichtung, holt den rechten Fuß nach, belastet ihn aber nicht. Das Dirndl macht die gegengleiche Bewegung: Sie stellt den rechten Fuß mit Gewichtsübertragung in Tanzrichtung, holt den linken Fuß nach und stellt ihn neben den Rechten. Beim zweiten Schritt in Tanzrichtung holt sie den linken Fuß nach, belastet ihn aber nicht.
2 Es folgen für beide zwei seitliche Nachstellschritte gegen Tanzrichtung, die gegengleich zu denen im ersten Takt gemacht werden. Beim zweiten Nachstellschritt werden die Füße (sein Linker, ihr Rechter) nicht belastet.
3-8 In den Takten 3-8 werden die seitlichen Nachstellschritte noch dreimal wiederholt wie in Figur 1 beschrieben, also insgesamt viermal ausgeführt.
Die Bewegungen sind zu Beginn des Tanzes rechts langsam, die Oberkörper bleiben gerade und aufrecht, kein Schaukeln mit den Hüften. Die erste Figur endet so, daß die Paare wie zu Beginn des Tanzes voreinander stehen.
2. Figur: Csárdás-Rundtanz im ↷ und gegen den Uhrzeigersinn ↶.
1 Bursch und Dirndl stellen im ersten Achtel den rechten Fuß, im Uhrzeigersinn  gedreht, nach rechts (jeder aus seiner Sicht), wobei sie rechtsschultrig nebeneinander zu stehen kommen, mit Blick in entgegengesetzte Richtung. Beide gehen beim Rundtanz vorwärts. Die Rechtsdrehung der rechten Füße ist kaum raumgreifend, die linken Füße legen jedoch, etwas abgehoben von der Tanzfläche, in einen Bogen über außen einen etwas längeren Weg zurück, wodurch sich die Paare deutlich im Uhrzeigersinn  um die gemeinsame Achse drehen. Gleichzeitig beugen beide das rechte Knie etwas und strecken es dann wieder. Die Tanzenden halten die Handfassung aus der ersten Figur im Prinzip bei, jedoch stehen sie sich nicht mehr genau gegenüber sondern rechtsschultrig gegeneinander versetzt. Beider Hände liegen auch nicht mehr genau auf den Schulten des Partners sondern sind etwas auf die Oberarme abgerutscht.
Beim Nachziehen der linken Füße im zweiten Achtel kommen diese, je nach Temperament der Tanzenden, auch etwas weiter vorwärts als nur gerade neben die rechten Füße und werden dabei, in einem Bogen im Uhrzeigersinn  gedreht, neben oder knapp vor die eigenen rechten Füße gestellt. Diese Bewegung unterstützt die Drehung der Paare im Uhrzeigersinn , weil man sonst die halbe Drehung pro Takt kaum schafft, besonders nicht, wenn die Musik im Verlauf des Tanzes schneller wird.
Das Einknicken bei jeder halben Drehung ist charakteristisch für den Csárdás aus Stinatz.
Im dritten Achtel beginnt für die Tanzenden die Wiederholung der Bewegungen der ersten beiden Achtel des ersten Taktes: Unter Beibehaltung der zu Beginn der Figur bereits eingenommenen Körper- und Handhaltung stellen Bursch und Dirndl den rechten Fuß nach rechts gedreht vorwärts und machen eine gemeinsame halbe Drehung im Uhrzeigersinn  um die Paarachse mit Einknicken und Strecken des rechten Beines. Im vierten Achtel ziehen beide den linken Fuß nach und stellen ihn nach rechts gedreht neben oder kurz vor den Rechten. In den letztgenannten beiden Achteln haben die Tanzenden wieder eine gemeinsame halbe Drehung um die Paarachse ausgeführt.
Im ersten Takt der 2. Figur sollten die Tanzenden mit zwei Schritten eine ganze Drehung um die gemeinsame Achse ausgeführt haben. Die Drehung wird gleichmäßig und flüssig im Uhrzeigersinn  um die Paarachse gemacht.
2-4 Nun wiederholen die Paare die ganze Drehung, wie in Takt 1 der zweiten Figur beschrieben, noch dreimal. Sie drehen sich also insgesamt viermal im Uhrzeigersinn  um die Paarachse: Die Handfassung beibehalten, mit den rechten Füßen vorwärts ausschreiten und eine gemeinsame, ganze Paardrehung pro Takt machen. Beide knicken mit dem rechten Bein zweimal pro Drehung ein. Bis jetzt haben beide acht Schritte mit dem rechten Fuß vorwärts gemacht.
5 Es folgt der Csárdás-Rundtanz gegen den Uhrzeigersinn , der in gegengleicher Weise ausgeführt wird wie der im Uhrzeigersinn . Die Richtungsumkehr geschieht folgendermaßen:
Im ersten Achtel des fünften Taktes stellen beide den rechten Fuß etwas nach rechts zur Seite, um für den Linken Platz zu machen, der nun gegen den Uhrzeigersinn  gedreht, am rechten Fuß innen vorbei nach links gestellt wird. Körper- und Handhaltung bleiben im Prinzip erhalten, jedoch drehen sich Bursch und Dirndl etwas im Uhrzeigersinn  um die eigene Achse zur linksschultrigen Schulterfassung. Beide schauen nach wie vor in entgegengesetzte Richtung und beide bewegen sich auch weiterhin vorwärts. Beider Hände liegen in etwa an oder auf auf den Oberarmen des Partners. Die Linksdrehung der linken Füße ist kaum raumgreifend, die rechten Füße hingegen legen, etwas abgehoben von der Tanzfläche, in einem Bogen über außen einen längeren Weg zurück, wodurch sich die Paare deutlich gegen den Uhrzeigersinn  um die gemeinsame Achse drehen. Gleichzeitig beugen beide das linke Knie etwas und strecken es dann wieder.
Beim Nachziehen der rechten Füße im zweiten Achtel kommen diese auch eventuell etwas weiter vorwärts als nur gerade neben die rechten Füße und werden dabei, in einem Bogen gegen den Uhrzeigersinn  gedreht, neben oder knapp vor den linken Fuß gestellt.
Im dritten und vieten Achtel werden die Bewegungen sinngemäß wiederholt, wie in den ersten beiden Vierteln des fünften Taktes beschrieben. Das anfängliche Platzmachen für den linken Fuß zu Beginn des fünften Taktes entfällt natürlich.
Im 5. Takt der 2. Figur sollten die Tanzenden eine ganze Drehung um die gemeinsame Achse gemacht haben. Die Drehung erfolgt wieder gleichmäßig und flüssig.
6-8 Nun wiederholen die Paare die ganze Drehung, wie in Takt 5 der zweiten Figur beschrieben, noch dreimal. Sie drehen sich also insgesamt viermal gegen den Uhrzeigersinn  um die Paarachse: Die Handfassung beibehalten, vorwärts ausschreiten, eine gemeinsame ganze Paardrehungen pro Takt machen und mit dem linken Bein zweimal pro Drehung einknicken. Bis jetzt haben beide acht Schritte mit dem linken Fuß vorwärts gemacht.
3. Figur: Wiederholung des Csárdás-Rundtanz im ↷ und gegen den Uhrzeigersinn ↶.
1-8 In der 3. Figur werden Csárdás-Rundtanz im  und gegen den Uhrzeigersinn  noch einmal wiederholt. Der Übergang von der Drehung gegen den Uhrzeigersinn  im achten Takt der Figur 2 zum ersten Takt der Figur 3 geschieht dadurch, daß die Tanzenden den linken Fuß etwas nach links zur Seite setzen, damit der rechte Fuß Platz hat, am Linken vorbei rechts vorwärts zu schreiten. Alle Bewegungen werden ansonsten gemacht wie in der 2. Figur beschrieben.
4. bis 6. Figur: Wiederholung der Figuren 1-3.
Die Figuren 1-3 werden einmal wiederholt wie oben beschrieben, wobei die Musikanten die Geschwindigkeit der Spielweise etwas steigern. Kurzfassung im Einzelnen:
Jeweils zwei seitliche Nachstellschritte in und gegen Tanzrichtung machen, insgesamt viermal wie in Figur 1 dargestellt.
Csárdás-Rundtanz im  und gegen den Uhrzeigersinn , zweimal nacheinander wie in den Figuren 2 und 3 beschrieben.
7. bis 9. Figur: Zweite Wiederholung der Figuren 1-3.
Die Figuren 1-3 werden ein zweites Mal wiederholt wie oben beschrieben, wobei die Musikanten die Geschwindigkeit der Spielweise noch einmal etwas steigern. Kurzfassung im Einzelnen:
Jeweils zwei seitliche Nachstellschritte in und gegen Tanzrichtung, insgesamt viermal wie in Figur 1 dargestellt.
Csárdás-Rundtanz im  und gegen den Uhrzeigersinn , zweimal nacheinander wie in den Figuren 2 und 3 beschrieben.
10. bis 12. Figur: Schlußrunde.
1-8 Die Figur 1 wird ein drittes Mal wiederholt wie oben beschrieben, wobei die Musikanten die Geschwindigkeit der Spielweise noch einmal etwas steigern.
Zum Abschluß des Csárdás aus Stinatz spielt die Tanzlmusi noch zweinmal den Csàrdàs-Rundtanz im  und gegen den Uhrzeigersinn  Diesmal sehr viel schneller als zuvor.
Bei der Rechtsdrehung hält sich das Dirndl mit der rechten Hand an der Schulter des Burschen und der Bursch mit der rechten Hand etwas oberhalb der Hüfte am Dirndls fest, um die Fliehkräfte abzufangen. Die linken Oberarme werden waagerecht zur Seite und die Unterarme senkrecht nach oben gehalten.
Bei der Linksdrehung sind die Hand- und Körperhaltungen gegengleich, d.h. daß beide die rechten Unterarme senkrecht nach oben halten. Auch bei dieser schnellen Tanzweise darf das Einknicken im Kniegelenk nicht unterbleiben; bei der Drehung im Uhrzeigersinn  mit dem rechten Bein, bei der Drehung gegen Uhrzeigersinn  mit dem linken Bein etwas einknicken.
Die Figuren 1-3 werden also während des gesmten Tanzes insgesamt viermal nacheinander getanzt, wobei die Musikanten die Weisen mit zunehmender Geschwindigkeit und die beiden letzten Runden Csàrdàs-Rundtanz besonders schnell spielen.

Damit ist der Tanz beendet. Der Bursch bedankt sich bei seinem Dirndl für den Tanz.