Ausgabe Oktober 2009, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Heinrichsberger Landler

Der Heinrichsberger Landler ist bezüglich der Dokumentation ein recht "junger" Landler. Nach Information von Max Will wurde er erst 1981 von einigen Mitgliedern der Volkstanzgruppe Peilstein in Heinrichsberg nach Angaben des Musikanten Franz Barth und seiner Frau schriftlich und akustisch festgehalten. Heinrichsberg gehört politisch zu Kollerschlag und liegt an der deutsch-österreichischen Grenze ca. 15 km nordwestlich von Rohrbach im Mühlviertel. Zum ersten mal begegnet ist mir dieser Landler in Ortenburg im Gasthof "Koch" in Niederbayern anläßlich des 4. Volkstanzfestes der Volkstanzfreunde Dorfbach. Inzwischen ist er in der Münchner Gegend häufiger auf Volkstanzfesten zu finden. Der Heinrichsberger Landler hat deutliche Ähnlichkeit mit dem Schwarzenberger Landler, der nur ca 5 km weiter nördlich von Heinrichsberg im Mühlviertel beheimatet ist.
Musikquelle:  Lehrgangs-MC.
Tanzbeschreibung
Paarweise auf der Kreisbahn, Dirndl rechts vom Burschen, Blick in Tanzrichtung, Innenhände gefaßt, die Arme hängen locker herab. Die musikalische Einleitung kann man zwar ohne Tanzbewegung abwarten, jedoch ist auch ein Drehen des Dirndls möglich. Jede Figur ist 8 Takte lang.
Takt Schritte und Bewegungen
Einleitung: Hände schwingen, Dirndl im Uhrzeigersinn ↷ drehen.
1,2 Die Paare schwingen im ersten Takt die gefaßten Innenhände (seine rechte, ihre linke Hand) etwa hüfthoch vor und im zweiten Takt zurück. Die Arme sind gestreckt.
3,4 Das erneute Vorschwingen der Hände in Tanzrichtung geht über in ein Drehen des Dirndls im Uhrzeigersinn  am fast gestreckten Burschenarm. Er führt dabei die gefaßten Innenhände über oben nach hinten. In Takt 4 senkt er sie wieder, schwingt die gefaßten Hände in Tanzrichtung aus und am Ende von Takt 4 etwas gegen Tanzrichtung zurück.
1. Figur: Umgang mit Schwingen der Innenhände.
1-8 Mit den Außenfüßen beginnend gehen die Paare mit Dreierschritten in Tanzrichtung auf der Kreisbahn. Sie schwingen im ersten Takt die gefaßten Innenhände vor und im nächsten Takt zurück. Das Schwingen der Innenhände und Gehen auf der Kreisbahn setzt sich bis Takt 8 fort. Beim Vorschwingen wenden sich die Tanzenden ein wenig voneinander ab, beim Rückschwingen etwas einander zu. Das Vor- und Rückschwingen wird insgesamt 4 mal ausgeführt.
2. Figur: Umgang mit Paschen.
1,2 Beide gehen im Dreierschritt, mit den Außenfüßen beginnend, auf der Kreisbahn in Tanzrichtung und paschen dreimal pro Takt in die eigenen Hände, wobei sie sich ein wenig voneinander abwenden. In Takt 2 wenden sich die Tanzenden zueinander und paschen dreimal in Schulterhöhe in die ungleichnamigen Hände des Partners (er pascht mit der rechten in ihre linke Hand und umgekehrt).
3-8 Weiter gehen und paschen wie in den Takten 1 und 2 beschrieben. In Takt 8 wird jedoch nur noch einmal in die Hände des Partners gepascht. Die Hände bleiben dann in Schulterhöhe aneinandergelegt. Bursch und Dirndl wenden sich zueinander, er mit dem Rücken zur Kreismitte.
3. Figur: Kreisen gegen den Uhrzeigersinn ↶ im Paarkreis, "Aussteigen" und singen.
1-6 Bursch und Dirndl haben die Hände in Schulterhöhe aneinandergelegt, sind linksschultrig ein wenig gegeneinander versetzt (die linken Schultern sind näher aneinander als die rechten) und kreisen mit etwas Abstand und fast gestreckten Armen im Dreierschritt eineinhalb mal gegen den Uhrzeigersinn  um die Paarachse.
7,8 Er löst die linke Handfassung, hebt die rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls und geht mit einer viertel Drehung im Uhrzeigersinn  durch dieses Tor (Aussteigen), während sie hinter ihm auf einem kleinen Kreis gegen den Uhrzeigersinn auf den Außenplatz geht. Danach stehen Bursch und Dirndl nebeneinander auf der Kreisbahn mit Blick in Tanzrichtung, die gefaßten Innenhände (seine rechte, ihre linke) sind etwas gegen Tanzrichtung geschwungen.
4. Figur: Dirndl radel einmal im ↷, dreimal gegen den Uhrzeigersinn ↶, dann Halsen.
                Der Bursch umrundet das Dirndl nicht.
1,2 Die Paare schwingen im ersten Takt die gefaßten Innenhände etwa hüfthoch vor und im zweiten Takt zurück. Die Arme sind gestreckt.
3,4 Das erneute Vorschwingen der Hände in Tanzrichtung geht über in ein Drehen des Dirndls im Uhrzeigersinn  am fast gestreckten Burschenarm. Er führt dabei die gefaßten Innenhände über oben nach hinten. In Takt 4 senkt er sie wieder und schwingt die gefaßten Hände in Tanzrichtung aus.
5-8 Er schwingt die gefaßten Innenhände wieder zurück und hebt sie gleichzeitig über Kopfhöhe, sodaß sich das Dirndl zweimal gegen den Uhrzeigersinn  unter diesen drehen kann. Der Bursch führt sie mit kleinen kreisenden Bewegungungen gegen den Uhrzeigersinn  ohne großflächig zu "kurbeln". Die Hände bleiben bei diesen beiden Dirndldrehungen oben. Während sie sich ein drittes mal gegen den Uhrzeigersinn  dreht, senkt er die gefaßten Hände. Dabei kommen ihr linker Arm und die gefaßten Hände vor ihrem Oberkörper zu liegen. Sein linker Unterarm ruht danach leicht auf des Dirndls rechter Schulter. Am Ende von Takt 8 zieht er sein Dirndl ein wenig zu sich heran (Halsen).
Während sie sich gegen den Uhrzeigersinn  dreht umrundet der Bursch sein Dirndl nicht. Er bleibt im Innenkreis und tritt die Dreierschritte am Ort.
5. Figur: Dirndl radelt zum zweiten mal
1,2 Zu Beginn von Takt 1 nimmt der Bursch seinen Arm von der Dirndlschulter, hebt die gefaßten Hände, dreht die Tänzerin einmal im Uhrzeigersinn , schwingt die Innenhände am Ende des ersten Taktes in Tanzrichtung vor und im zweiten zurück. Die Arme sind fast gestreckt.
3-8 Der restliche Ablauf der zweiten Radel-Figur entspricht dem der ersten, wie dort in den Takten 3 bis 8 beschrieben d.h. der Bursch schwingt die gefaßten Innenhände vor, dreht das Dirndl einmal im Uhrzeigersinn  und dann zweimal mit gehobener Innenhand gegen den Uhrzeigersinn . Bei der dritten Drehung des Dirndls senkt er die gefaßten Innenhände und legt seinen rechten Unterarm auf ihre rechte Schulter.
6. Figur: Dirndl radelt zum dritten mal.
1-8 Das dritte Radln ist identisch mit dem zweiten Radeln.
In den von 1981 stammenden Notizen wird sinngemäß gesagt, daß die Figur des Radelns sooft wiederholt wird, wie die Tanzlmusi diesen Musikteil spielt. In der oben angegebenen Musikquelle ist das dreimal.
Kadenz.
1-4 In Takt 1 der Kadenz nimmt der Bursch seinen Arm von der Dirndlschulter und dreht die Tänzerin einmal im Uhrzeigersinn  und schwingt die Hände etwas vor. Danach gehen die Paare mit Dreierschritten in Tanzrichtung auf der Kreisbahn und schwingen die gefaßten Hände zurück, vor und zurück.
Zur Auschmückung des Tanzes kann das Dirndl in den Takten 3 und 4 der Kadenz einmal im Uhrzeigersinn  ausgedreht werden. Das Vor- und Zurückschwingen entfällt dann.

Damit ist ein Durchgang des Landler beendet; er wird insgesamt dreimal getanzt.
In Figur 3 sollten Vielzeiler gesungen werden, was in Ortenburg allerdings unterblieb. Da keine speziellen Liedtexte überliefert sind und sich die angeführte Tanzmelodie zum Mitsingen nicht anbietet, unterlasse ich es, Vierzeiler vorzuschlagen.