Ausgabe Mai 2007, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Steirisches Hiatamadl
(Hiatamadl, Steirische Form)

Der Tanz "Hiatamadl" ist sehr weit verbreitet und in verschiedensten Versionen in Bayern und Österreich bekannt. Das hier beschriebene "Steirische Hiatamadl" weicht von der "normalen" Form ab und wird besonders in der Steiermark getanzt. Aufgezeichnet hat diese Version Anton Novak 1923 in Schladming an der Enns im nordwesten der Steiermark. Veröffentlichungen davon finden sich u.a. im Buch "Tänze aus der Steiermark", Seite 9, von Fritz Zah, erschienen 1996 im Eigenverlag, und in der Volkstanzmappe A herausgegeben von der "Arbeitsgemeinschaft für Volkstanz und Heimatpflege" beim Landesjugendreferat Steiermark, Graz, Karmetiterplatz 2. In der Münchener Gegend steht das Steirische Hiatamadl gelegentlich auf dem Programm anspruchsvollerer Volkstanzveranstaltungen.
Musikquelle: CD "Tänze aus der Steiermark", CD Nr. 80003.
Kontaktadresse: ArGe Volkstanz-Steiermark, Karmeliterplatz 2, A-8011 Graz.
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare stehen sich auf der Kreisbahn gegenüber, der Bursch mit dem Rücken zur Kreismitte (Stirndoppelkreis). Die etwas vorgestreckten Hände werden in Hüfthöhe dicht nebeneinander gehalten. Beidhandfassung: Er hält mit der rechten die linke, und mit der linken die rechte Hand seines Dirndls. Keine Tanzbewegung während des Vorspiels.
Takt Schritte
1. Figur: Kreuztupftritte gegen und in Tanzrichtung, Hände schwingen mit.
1 Bursch und Dirndl kreuzen mit dem linken Fuß den rechten und tupfen mit der linken Fußspitze ohne Gewichtsübertragung schräg rechts vor dem Standbein auf den Boden (Kreuztupf). Da beide die gleiche Bewegung machen, tupft der Bursch gegen und das Dirndl in Tanzrichtung. Die gefaßten Hände werden etwas gegen Tanzrichtung mitgeführt. In der zweiten Zählzeit stellen beide das Spielbein zurück und bringen die gefaßten Hände in Ausgangsposition.
2 Gegengleiche Bewegung der Hände und Füße: Beide belasten das linke Bein, machen mit dem rechten Fuß einen Kreuztupf nach links und stellen den Fuß dann zurück. Da beide die gleiche Bewegung machen, tupft der Bursch jetzt in und das Dirndl gegen Tanzrichtung. Die gefaßten Hände werden dicht nebeneinander gehalten und etwas in Tanzrichtung und zurück geschwungen.
3-8 Die in Takt 1 und 2 beschriebenen Kreuztupftritte werden noch dreimal wiederholt, also insgesamt viermal ausgeführt.
2. Figur: Gemeinsames Gehen um die Paarachse im ↷ und gegen den Uhrzeigersinn ↶.
1-8 Der Bursch tritt, mit dem linken Fuß beginnend, mit zwei Schritten neben sein Dirndl, sodaß die rechten Schultern nahe beieinander sind. Er legt seine rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls an ihren Rücken nahe ihrer linke Hüfte. Sie legt ihre rechte Hand auf seine linke Schulter und er unterstützt mit seiner linken Hand ihren rechten Oberarm. In dieser Haltung kreisen die Paare mit insgesamt 16 Gehschritten im Uhrzeigersinn  um die gemeinsame Achse. In diesen 16 Schritten sind die beiden ersten, mit denen der Bursch neben sein Dirndl tritt, und die er auch stampfend ausführen kann, mitgezählt. Das Einnehmen der Fassung darf nicht zu Verzögerungen beim Gehen um die Paarachse führen.
9-16 Es wird nun die gegengleiche Fassung eingenommen: Er legt seine linke Hand mit der gefaßten rechten des Dirndls an ihre rechte Hüfte. Sie legt ihre linke Hand auf seine rechte Schulter und er unterstützt mit seiner rechten Hand ihren linken Oberarm. Die linken Schultern sind dicht beieinander. Gleichzeitig macht der Bursch mit dem rechten Fuß den ersten Schritt in die entgegengesetzte Richtung, und leitet so die Drehung gegen den Uhrzeigersinn  ein. Der Bursch kann die ersten beiden Schritte stampfen. Insgesamt werden nun 16 Schritte gegen den Uhrzeigersinn  um die Paarachse gemacht.

Damit ist ein Durchgang des Steirischen Hiatamadls beendet. Der Tanz beginnt von vorne mit Kreuztupftritten, wie in Figur 1 beschrieben.
Zu diesem Tanz kann man singen:

Denselm, den oan,
An groß'n und oan kloan,
Denselm, den oan,
An groß'n und oan kloan.
A Hiatamadl mog i net,
Hat koane dicken Wadln net.
I mog a Madl aus der Stadt,
Das dicke Wadln hat.