Ausgabe Januar 2006, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Kumreuter Landler

Kumreut liegt nördlich von Passau an der B12 etwa 3 km nördlich von Röhrnbach. Wolfgang A. Mayer hat den Kumreuter Landler in dieser Gegend im Zeitraum 1972/73 bei drei verschiedenen Gelegenheiten gesehen und aufgezeichnet. Durch die verschiedenen Gewährsleute und durch den längeren Zeitraum zwischen den einzelnen Aufzeichnungen kam es, daß es drei Varianten dieses Landlers gibt, die sich zwar nicht viel, aber doch unterscheiden. Die hier beschriebene Version hat uns Wolfgang A. Mayer am 12. Okt. 2005 im Tanzkreis Freising an einem Übungsabend gezeigt.
Musikquelle:  Lehrgangs-MC.
Tanzbeschreibung
Paarweise auf der Kreisbahn, Blick in Tanzrichtung. Das Dirndl ist auf der rechten Seite vom Burschen und bei ihm untergehakt. Er drückt mit seinem rechten Ellenbogen den linken Arm des Dirndls an sich. Beide beginnen mit dem linken Fuß. Während der Einleitung gehen die Paare langsam auf der Kreisbahn in Tanzrichtung.
Der Landler wird dreimal nacheinander getanzt; die einzelnen Durchgänge unterscheiden sich voneinander durch die Armhaltung beim Gehen in der ersten und/oder durch die Art des Paschens bei der zweiten Figur.
Takte Schritte und Bewegungen
Erster Durchgang.
1. Figur: Gehen auf der Kreisbahn und Singen.
1,2 Bursch und Dirndl machen mit dem linken Fuß einen Schritt in Tanzrichtung und schwingen mit dem rechten unbelasteten Bein über das linke. Beim Überschwingen wird der Oberschenkel gehoben und der Unterschenkel im Knie abgewinkelt, also nicht mit gestrecktem Bein schwingen. Das rechte Bein wird zurück genommen und der Fuß in Tanzrichtung soweit vor den linken gestellt, wie es dem ersten Schritt mit dem linken Bein entspricht und dann das Gewicht auf den rechten Fuß übertragen. Dann schwingen Bursch und Dirndl mit dem linken Bein über das rechte.
3-8 Das Überschwingen mit dem rechten und linken Bein wird noch drei mal wiederholt, also insgesamt viermal ausgeführt.
Während der ersten Figur singen alle einen Vierzeiler, die Dirndl dürfen, sollen ruhig auch mitsingen!
Am Ende des achten Taktes dreht sich das Dirndl gegen Tanzrichtung in der Weise, daß sie vor ihrem Burschen mit dem Rücken zur Tanzrichtung zu stehen kommt.
2. Figur: Gehen auf der Kreisbahn und paschen, Bursch vorwärts, Dirndl rückwärts.
Während der ganzen zweiten Figur gehen die Paare auf der Kreisbahn langsam in Tanzrichtung weiter; sie machen pro Takt einen Schritt. Sie geht rückwärts, er vorwärts. Er beginnt mit links, sie mit rechts.
1 Der Bursch klatscht dreimal, auf jedes Takt-Viertel einmal, streifend in die eigenen Hände, wobei dieses in einer vertikalen Bewegung vor seiner Brust erfolgt, wenn die abwärts geführte Hand an der aufwärts geführten vorbeistreicht. (eigen, eigen, eigen)
2 Bursch und Dirndl klatschen abwechselnd etwa in Kopfhöhe in die Hände des Gegenübers und in die eigenen:
Erste Zählzeit: Beide klatschen in die Hände des Partners, rechts in links und links in rechts.
Zweite Zählzeit: Beide klatschen normal in die eigenen Hände
Dritte Zählzeit: Beide klatschen wie in Zählzeit eins in die Hände des Partners.
(fremd, eigen, fremd)
3-8 Das Paschen wird noch dreimal wiederholt, wie in den Takten 1 und 2 beschrieben, also insgesamt viermal durchgeführt. In Takt 8 wird jedoch nur noch in Zählzeit eins in die Hände des Partners geschlagen, in den Zählzeiten zwei und drei bleiben die Hände beieinander.
Am Ende von Takt 8 werden die gefaßten Hände etwas unter Schulterhöhe gesenkt, und die Arme fast waagerecht gehalten, wobei der Bursch mit nach oben gehaltenen Handflächen die Hände seines Dirndls unterstützt. Beide haben einen größeren Abstand zueinander und sind etwas linksschultrig gegeneinander versetzt.
3. Figur: Umgang in Mühlefassung mit fast gestrecktem Arm.
1-6 In der neuen Haltung kreist das Paar zweimal gegen den Uhrzeigersinn um die Paarachse und macht dabei pro Takt drei Schritte.
7,8 Bei Takt 7 löst der Bursch die linke Handfassung, hebt die rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndl und geht im Uhrzeigersinn durch dieses Tor. Danach stehen Bursch und Dirndl nebeneinander mit Blick in Tanzrichtung und schwingen die Innenhände etwas gegen Tanzrichtung.
4. Figur: Dirndl 1x rechts, dann 3x links drehen und dabei umrunden.
Die 4. Figur hat insgesamt 20 Takte. Innerhalb dieser wird eine Drehfigur viermal ausgeführt:
1 Beim Vorschwingen der Innenhände in Tanzrichtung, zu Beginn des ersten Taktes, macht der Bursch einen Handwechsel, indem er seine rechte von der linken Hand des Dirndls löst und mit seiner rechten ihre rechte Hand ergreift. Sodann dreht er sie fast mit Streckhand einmal im Uhrzeigersinn.
2 Der Bursch führt die gefaßten rechten Hände in Tanzrichtung.
3-5 Er führt die gefaßten Hände gegen Tanzrichtung und dreht das Dirndl zweimal gegen den Uhrzeigersinn und fängt sie beim dritten mal ein. Sie befindet sich nun auf seiner rechten Seite und er legt ihr die rechten, gefaßten Hände auf die rechte Schulter.
Während dieser Takte geht der Bursch mit drei großen, federnden Schritten, mit dem rechten Fuß beginnend, einmal im Uhrzeigersinn um sein sich drehendes Dirndl herum.
----------- Ende der ersten Drehfigur ----------
6 Der Bursch dreht das Dirndl einmal im Uhrzeigersinn und schwingt die gefaßten rechten Hände in Tanzrichtung. Ein Handwechsel, wie zu Beginn des ersten Taktes, unterbleibt, da das Paar bereits rechte in rechte Hand gefaßt hat.
7-10 Das Schwingen der gefaßten Hände gegen Tanzrichtung, das Umrunden und Einfangen geschieht wie in den Takten 2-5 erklärt.
----------- Ende der zweiten Drehfigur ----------
11-20 Das Schwingen der Hände, das Drehen des Dirndls, das Umrunden und Einfangen wird noch zweimal wiederholt. Am Ende von Takt 20 bleiben die gefaßten rechten Hände auf der rechten Schulter des Dirndls liegen.
Zweiter Durchgang.
Abweichung vom ersten Durchgang:

Das Dirndl bleibt in der 1. Figur beim Gehen und Singen eingefangen.
Das Paschen in der 2. Figur erfolgt im Stirnkreis.
1. Figur: Gehen auf der Kreisbahn und Singen; das Dirndl ist eingefangen.
1-8 Die am Ende des letzten Taktes der ersten Durchganges erreichte Haltung wird nicht aufgelöst, die gefaßten rechten Hände bleiben auf der rechten Schulter des Dirndls liegen. In dieser Fassung wird auf der Kreisbahn gegangen und gesungen wie in der ersten Figur des ersten Durchganges erklärt.
2. Figur: Im Stirnkreis paschen.
1,2 Zu Beginn des ersten Taktes wenden sich alle rasch zur Mitte und bilden einen Stirnkreis. Das eigene Dirndl bleibt auf der rechten Seite vom Burschen. Das Paschen erfolgt streifend in die eigenen Hände, wie in der zweiten Figur des ersten Durchganges beschrieben, jedoch wird im zweiten Takt abwechselnd in die Hände der Partner zur Linken und zur Rechten und in die eigenen Hände gepascht, weil es ja kein Gegenüber gibt. (eigen, eigen, eigen, fremd, eigen, fremd)
3-8 Die Pasch-Sequenz wird insgesamt viermal durchgeführt, wie im ersten Durchgang beschrieben. Die Tanzenden bewegen sich nicht von der Stelle. Am Ende von Takt 8 ergreift der Bursch die Hände seines Dirndls und unterstützt sie mit seinen nach oben gehaltenen Handflächen. Beide haben einen großen Abstand zueinander und sind etwas linksschultrig gegeneinander versetzt, wie im ersten Durchgang.
3. Figur: Umgang.
1-8 Diese Figur ist identisch zu der entsprechenden im ersten Durchgang.
4. Figur: Dirndl 1x rechts, dann 3x linksdrehen und dabei umrunden.
1-20 Diese Figur ist wie die vierte Figur im ersten Durchgang. Am Ende des 20. Taktes bleiben die gefaßten rechten Hände auf der rechten Schulter des Dirndls liegen.
Dritter Durchgang.
Abweichung vom ersten Durchgang:

Das Dirndl bleibt in der 1. Figur beim Gehen und Singen eingefangen.
In der 2. Figur gibt es kein streifendes Paschen, die Burschen klatschen ganz normal, drei mal pro Takt, in die eigenen Hände. Die Dirndl drehen sich im Uhrzeigersinn vor dem Burschen auf der Kreisbahn her, er geht mit Dreierschritten nach.
Daß sich das Dirndl im dritten Landlerdurchgang alleine vor dem Burschen herdreht, ist laut Wolfgang A. Mayer in der Kumreuter Gegend nicht ueberliefert. Es scheint sich aber eingebürgert zu haben und deshalb hat er es uns so gezeigt.
1. Figur: Gehen auf der Kreisbahn und Singen; das Dirndl ist eingefangen.
1-8 Gehen und singen wie beim zweiten Durchgang; die gefaßten rechten Hände liegen auf der rechten Schulter des Dirndls. Am Ende des 8. Taktes wird die Handfassung gelöst.
2. Figur: Dirndl dreht alleine vor dem Burschen, er pascht nach.
1-8 Im Uhrzeigersinn dreht sich Dirndl mit Dreierschritten vor dem Burschen in Tanzrichtung auf der Kreisbahn her. Er geht nach und klatscht pro Takt dreimal in die eigenen Hände. Am Ende von Takt 8 ergreift der Bursch die Hände seines Dirndls und unterstützt sie mit seinen nach oben gehaltenen Handflächen. Beide haben einen großen Abstand zueinander und sind etwas linksschultrig gegeneinander versetzt, wie im ersten Durchgang.
3. Figur: Umgang in Mühlefassung mit fast gestrecktem Arm.
1-8 Diese Figur ist identisch zu der entsprechenden im ersten Durchgang.
4. Figur: Dirndl rechts drehen, dann 3x links drehen und dabei 1x umrunden.
1-20 Diese Figur ist wie die vierte Figur im ersten Durchgang. Am Ende des 20. Taktes wird das Dirndl ausgedreht.

Damit ist der Landler beendet.
Nachfolgend einige Vierzeiler, die zu diesem Landler gesungen werden können:

Des landlerisch Tanz'n
Ko nit an iada
Ko's selba nit g'scheid
Aba meine Brüada.
Des landlerisch Tanz'n
und's Gehn auf der Wies,
des macht an Buam narrisch,
wann er no so g'scheid is.

Des landlerisch Tanz'n
und s'Gehn bei der Nacht,
des hat mi meim Deixl
so liadali g'macht.