Ausgabe März 2015, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Landler aus Weitra

Otto Hief hat diesen Tanz 1933 in Nondorf im Waldviertel (ca. 5 km östlich von Gmünd) gesehen und aufgezeichnet. Weitere Berichte über diesen Tanz stammen aus der Umgebung von Weitra (ca. 10 km südwestlich von Gmünd), weshalb der Tanz auch wohl "Landler aus Weitra" heißt. Im Druck erschienene Tanzbeschreibungen gibt es von Raimund Zoder (Österreichische Volkstänze, Neuausgabe I.-III. Teil, Österreichischer Bundesverlag, 1946), Herbert Lager (Österreichische Tänze - Unsere Grundformen, Österreichischer Bundesverlag, 1969), Ludwig Berghold (Volkstänze aus Niederösterreich, Band 1, 1975) und vielen anderen. Aus der gleichen Gegend kommt auch der Landler aus Vitis, der nur ca. 15 km östlich von Gmünd und der Lembacher Landler, der keine 25 km süd-süd-östlich von Weitra beheimatet ist. In beiden Landlern gibt es gleiche Tanzfiguren: Im Landler aus Vitis findet man die Fürizwängerfigur und im Lembacher Landler den Umgang mit Stampfschritten. Dies ist eine Feststellumg, keine Bewertung der Urheberschaft.
Auf einem öffentlichen Tanzfest habe ich den Landler aus Weitra noch nicht gesehen.
Musikquelle: CD-Serie "Taktvoll", CD 2.
Herausgeber: Volkskultur Niederösterreich BetriebsGmbH
3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1.
Tanzbeschreibung
Die Tanzenden stehen paarweise auf der Kreisbahn mit Blick in Tanzrichtung, der Bursch auf der Innenbahn. Das Dirndl hängt sich mit dem linken Arm beim Burschen ein. Die freien Hände liegen aufgeräumt am eigenen Rücken. Die Musik ist im 3/4-Takt. Die Einleitung, wenn vorhanden, ohne Tanzbewegung abwarten.
Takt Schritte und Bewegungen
  Erster Teil
1. Figur: Umgang mit Gehschritten.
1 Beide beginnen mit dem Außenfuß und machen im ersten Viertel des Taktes einen Schritt in Tanzrichtung. Im zweiten Viertel wird der Innenfuß nachgeholt und ohne Gewichtsübertragung mit der Spitze daneben gestellt. Im dritten Viertel geschieht nichts.
2 Im zweiten Takt beginnen die Tanzenden mit dem Innenfuß, machen einen Schritt in Tanzrichtung und stellen den Außenfuß ohne Gewichtsübertragung bei. Diese Art sich zu bewegen kann man auch einen "verkümmerten" Dreierschritt nennen.
3-8 In den Takten 3-8 machen alle noch weitere 6 Schritte, in der ersten Figur also insgesamt 8 (Dreier)-Schritte in Tanzrichtung.
2. Figur: Umgang mit Gehschritten, Singen und Paschen.
1-8 Der Umgang wird fortgesetzt wie in Figur 1 begonnen, das Dirndl bleibt beim Burschen eingehängt, jedoch paschen die Burschen bei jeder ersten Zählzeit eines Taktes einmal in die eigenen Hände, während alle einen beliebigen Vierzeiler singen.
3. Figur: Das Dirndl umrundet den Burschen ↶ und
                dreht sich danach viermal ↶ um die eigene Achse.
1-4 Das Dirndl tritt vor den Burschen, wobei sie sich ein halbes Mal gegen den Uhrzeigersinn  dreht, sodaß sie sich gegenüber stehen und sich anschauen können. Er blickt weiterhin in Tanzrichtung. Bursch und Dirndl nehmen ungekreuzte Zweihandfassung ein: Er faßt mit der rechten Hand die Linke seines Dirndls und mit der linken Hand ihre Rechte. Er hebt die rechte Hand mit ihrer gefaßten Linken über Kopfhöhe und führt das Dirndl im Dreierschritt etwas mehr als ein halbes Mal gegen den Uhrzeigersinn  hinten um sich herum. Kurz bevor sie auf seiner rechten Seite ankommt, löst er seine linke Hand von ihrer Rechten. Am Ende von Takt 4 steht sie schräg rechts vor ihm mit Blick in Tanzrichtung. Er hält seine rechte Hand mit ihrer gefaßten Linken ihr über den Kopf.
5-8 Das Dirndl dreht sich viermal gegen den Uhrzeigersinn  um ihre eigene Achse. Der Bursch führt sie mit seiner rechten Hand und kommt dabei nur wenig in Tanzrichtung vorwärts. Er tritt die vier Schritte fast auf der Stelle. Am Ende von Takt 8 hält das Dirndl inne.
4. Figur: Das Dirndl radelt ↷, der Bursch steigt am Ende ↶ aus.
1-7 Sie dreht sich sieben mal (eimal pro Takt) im Uhrzeigersinn  um ihre eigene Achse. Der Bursch führt sie mit seiner rechten Hand. Beide kommen in Tanzrichtung vorwärts, er mit dem "verkümmerten" Dreierschritt, sie im normalen Dreierschritt.
8 In Takt 8 dreht sich das Dirndl nicht mehr, tritt aber die verbleibenden Tanzschritte am Platz. Er dreht sich einmal unter seinem rechten Arm gegen den Uhrzeigersinn  aus. Am Ende nehmen die Tanzenden Fürizwängerfassung ein.
5. Figur: Fürizwänger tanzen, zweimal 8 Takte.
  Zunächst die Tanzhaltung: Bursch und Dirnd stehen sich gegenüber, jedoch nach der Seite versetzt, sodaß sich die rechten Schultern von Bursch und Dirndl gegenüber befinden und die Tanzenden nur einen kleinen Abstand zueinander haben. Er schaut in, sie gegen Tanzrichtung. Die rechte Hand des Burschen liegt oben auf der linken Schulter des Dirndls, ihre linke Hand auf der rechten Schulter des Burschen. Die Arme liegen parallel nebeneinander, und, vom Burschen aus gesehen, befindet sich ihr linker Arm rechts von seinem Rechten. Sein Linker und ihr rechter Arm sind waagerecht seitwärts gestreckt, er hat seinen linken Ellenbogen etwas angewinkelt (modifizierte Fürizwängerfassung).
1 In der soeben beschriebenen Fassung beginnt der Bursch mit dem rechtem Fuß vorwärts und setzt ihn im ersten Viertel des Taktes um etwa um 90 Grad im Uhrzeigersinn  gedreht mit Gewichtsübertragung hinter dem linken Fuß des Dirndls auf dem Boden. Der Abstand zum Fuß des Dirndls muß mindestens eine Fußbreite betragen. Gleichzeitig nimmt das Dirndl den rechten Fuß zurück, dreht ihn um etwa 90 Grad im Uhrzeigersinn  und stellt ihn dicht hinter ihren eigenen linken Fuß. Beider rechten Füße bleiben eng beieinander.
Im zweiten Viertel geschieht nichts.
Im dritten Viertel stellen beide ihre linken Füße mit Gewichtsübertragung neben die rechten.
2 Im ersten Viertel setzt der Bursch seinen rechten Fuß, um etwa 90 Grad im Uhrzeigersinn  gedreht, rückwärts und dicht hinter seinem eigenen linken Fuß auf den Boden und verlagert sein Gewicht auf ihn. Das Dirndl macht mit dem rechten Fuß einen Schritt vorwärts und setzt ihn um etwa 90 Grad im Uhrzeigersinn  gedreht neben den rechten Fuß des Burschen.
Im zweiten Viertel geschieht nichts.
Im dritten Viertel stellen beide ihre linken Füße mit Gewichtsübertragung neben die rechten.
3-16 In den Takten 3-16 tanzen die Paare weiterhin Fürizwänger indem sie die Bewegungen der Takte 1 und 2, wie oben beschrieben, wiederholen, also insgesamt achtmal ausführen.

Mit den Figuren 1-5 und den zugehörigen Tanzbewegungen ist der erste Teil des Tanzes "Landler aus Weitra" beendet. Ohne Unterbrechung schließt sich der zweite Teil an, der mit Ausnahme der Figur 1 identisch mit dem ersten Teil ist:
   
  Zweiter Teil
1. Figur: Umgang. Die Burschen mit Stampfschritten, die Dirndl mit Dreierschritten.
1-8 Der Bursch macht in der ersten Zählzeit eines jeden Taktes mit dem linken Fuß einen Schritt vorwärts, und stampft in der zweiten und dritten Zählzeit mit dem rechten Fuß je einmal mit der ganzen Sohle neben dem linken Fuß auf den Boden. Beim ersten Stampfer (in der zweiten Zählzeit) bleibt das Gewicht auf dem linken Fuß, beim zweiten Stampfer (in der dritten Zählzeit) wird das Gewicht auf den rechten Fuß übertragen, damit der Bursch im nächsten Takt wieder mit dem linken Fuß einen Schritt vorwärts gehen kann.
Mit dem rechten Fuß beginnend gehen die Dirndl im Dreierschritt mit den Burschen mit. Bursch und Dirndl haben die Innenhände gefaßt und die Arme angewinkelt, die Außenhände werden zwanglos am eigenen Rücken angelegt.
  Es folgen nun die Figuren 2-5 wie im ersten Teil des Landlers beschrieben:
1-8 2. Figur: Umgang mit Gehschritten, Singen und Paschen.
                Bei dieser Figur einen beliebigen Vierzeiler singen.
1-8 3. Figur: Das Dirndl umrundet den Burschen ↶ und
                dreht sich danach viermal ↶ um die eigene Achse.
1-8 4. Figur: Das Dirndl radelt ↷, der Bursch steigt am Ende ↶ aus.
1-16 5. Figur: Fürizwänger tanzen, zweimal 8 Takte.
  In der Tanzbeschreibung von Lugwig Berghold steht, daß der zweite Teil des Tanzes beliebig oft wiederholt werden kann, in der Pflege läßt man es aber wohl mit einem Durchgang der zweiten Teiles bewenden.

Ohne Unterbrechung schließt sich der dritte Teil an. In den Figuren 1 und 2 stampfen die Burschen wie in Figur 1 des zweiten Teils. In der Figur 5 wird statt des Fürizwängers ein Landler getanzt. Hier die genaue Beschreibung des dritten Teils:
   
  Dritter Teil
  1. Figur: Umgang. Die Burschen mit Stampfschritten, die Dirndl mit Dreierschritten.
1-8 Der Bursch macht in der ersten Zählzeit eines jeden Taktes mit dem linken Fuß einen Schritt vorwärts, und stampft in der zweiten und dritten Zählzeit mit dem rechten Fuß je einmal mit der ganzen Sohle neben dem linken Fuß auf den Boden, wie bereits in der ersten Figur des zweiten Teils detailiert beschrieben.
Mit dem rechten Fuß beginnend gehen die Dirndl im Dreierschritt mit den Burschen mit. Bursch und Dirndl haben die Innenhände gefaßt und die Arme angewinkelt, die Außenhände werden zwanglos am eigenen Rücken angelegt.
In dieser Figur einen beliebigen Vierzeiler singen.
2. Figur: Fortsetzung des Umgangs. Die Burschen mit Stampfschritten, die Dirndl mit Dreierschritten.
1-8 Der Bursch macht weiterhin Stampfschritte wie in der vorherigen Figur 1
Mit dem rechten Fuß beginnend gehen die Dirndl im Dreierschritt mit den Burschen mit. Bursch und Dirndl haben die Innenhände gefaßt und die Arme angewinkelt, die Außenhände werden zwanglos am eigenen Rücken angelegt.
Alle sollen einen beliebigen Vierzeiler singen.
  Es folgen nun die Figuren 3 und 4 wie im ersten Teil des Landlers beschrieben.:
1-8 3. Figur: Das Dirndl umrundet den Burschen ↶ und
                dreht sich danach viermal ↶ um die eigene Achse.
1-8 4. Figur: Das Dirndl radelt ↷, der Bursch steigt am Ende ↶ aus.
5. Figur: Ausgetretener Walzer (Landler), zweimal 8 Takte.
1-16 Im Gegensatz zum Walzer, bei dem der erste Schritt betont und etwas länger als die anderen beiden ist, sind beim Landler alle drei Zählzeiten deutlich voneinander getrennt. Die Füße werden mit ganzer Sohle aufgesetzt. Beim Landler sind alle Schritte in etwa gleich lang und die Füße bleiben dicht am Boden, ohne allerdings zu schleifen. Der Bursch beginnt mit dem Linken, das Dirndl mit dem rechten Fuß in Tanzrichtung.
Die Paare nehmen Körblfassung ein und drehen sich im Uhrzeigersinn 

Damit ist der Landler beendet. Der Bursch bedankt sich mit einer Verbeugung bei seinem Dirndl für den Tanz.
Nachfolgend einige Vierzeiler, die zu diesem Landler passen. Die Strophen 1-4 habe ich dem Buch "Volkstänze aus Niederösterreich, Band 1" entnommen, die Strophen 5-8 werden auf der CD "Taktvoll, Vokal" gesungen. (Herausgeber: Volkskultur Niederösterreich GmbH 3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1):

1.   
Mei Muatta håt gsågt, wann i heiratn tua,
Kriag i a Spinnradl, a Bettstadl und a gscheckerte Kuah.
2.   
Wånn ålle Leut schlåfn, so bin i no auf,
Und då sing i mein Diandl a Nåchtliadl auf.
3.   
Ån an Mensch is nix drån, bei di Fiaß, då fångt's ån,
Und då drobn bei die Håar, is scho wiada ålls går.
4.   
Bei de Buama hingegen, kannst die Muskeln fest sehn,
Und kriagns eppa an Bauch, ghört zur Schönheit des auch.
5.   
A Birn is koa Apfel, und a Apfel koa Birn,
Is 's Mäul oiwai offa, is in Kopf net vü Hirn.
6.   
Für d'Fleh gibts a Pulver, für d'Schuach gibts a Wichs,
Fürn Durscht gibts a Wassa, für d'Bledheit gibts nix.
7.   
Lusti is auf da Welt, ham de Herrn a koa Geld,
Is fia uns a koa Schand, wann ma koans hamd.
8.   
Wei ma koa Geld net haum, kemma auf da Gassn zaum,
Wei da kemman olle zaum, de koa Geld haum.