Ausgabe Februar 2009, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Neppendorfer Landler

Wie der Name andeutet, kommt dieser Landler aus Neppendorf, einem Ortsteil von Hermannstadt in Siebenbürgen. Die Menschen, die dort zuerst siedelten, kamen vom Niederrhein, von Maas und Mosel und wurden "Siebenbürger Sachsen" genannt. Später kamen noch Auswanderer aus Oberösterreich in das Gebiet. Nach Richard Wolfram ist der Neppendorfer Landler nicht aus dem Walzer entstanden. Der Name kommt vielmehr von den Bewohnern der Dörfer Neppendorf, Großau und Großwald, die "Landler" genannt wurden, weil ein Großteil von ihnen aus Oberösterreich stammte.
In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Siebenbürgen keine verbindliche Reihenfolge der Figuren zum "Neppendorfer Landler"; die Tänzer konnten sie frei wählen. Bei der Übernahme in die Volkstanzpflege stellte Karl Horak eine Auswahl der Figuren zu einer festen Reihenfolge zusammen.
Beschreibungen dieses Figurenlandlers finden sich z.B. im Buch "Tänze aus Oberösterreich" von Hermann Derschmidt, Seite 229 (ISBN 3-85393-032-8), außerdem im Heft 48/49, Seite 18, von Deutsche Volkstänze aus dem Karpatenraum von Karl Horak, Verlag Bärenreiter, Kassel, und im Beiheft zu der nachfolgend genannten CD der Firma Kögler.
Musikquelle: CD3 "Tänze aus Oberösterreich", LC6575.
Bezugsquelle: OÖ Volksliedwerk A-4020 Linz, Landstraße 31.

Deutsche Volkstänze 2 aus Siebenbürgen.
Bezugsquelle: Walter Kögler Verlag Stuttgart CD 33132
Tanzbeschreibung
Bursch und Dirndl stehen sich gegenüber, er mit dem Rücken zur Kreismitte (Stirndoppelkreis), die rechten Hände sind gefaßt. Die Tanzbewegungen beginnen bereits mit der Einleitung, es gibt also kein Abwarten während eines Vorspiels.
Takte Schritte und Bewegungen
Einleitung.
1,2 Bursch und Dirndl machen zwei Seitstellschritte (oder auch Dreierschritte) in und gegen Tanzrichtung. Er stellt in Takt 1 den linken Fuß ein wenig in Tanzrichtung, belastet ihn und führt den rechten Fuß an den linken heran, ohne das Gewicht auf ihn zu übertragen. Im zweiten Takt erfolgt die gegengleiche Bewegung: Er macht einen kleinen Schritt mit dem rechten Bein gegen Tanzrichtung und führt das linke nach; keine Gewichtsübertragung. Das Dirndl macht auch Seitstellschritte, sie beginnt in Takt 1 mit dem rechten Fuß. Die gefaßten rechten Hände schwingen leicht mit.
3,4 Das Dirndl macht Seitstell- oder Dreierschritte in und gegen Tanzrichtung, der Bursch stampft dreimal in Takt 3 und ein viertes mal in der ersten Zählzeit von Takt 4 (li, re, li, re, Pause).
Diese Einleitungsfigur wird bei enventuellen Wiederholungen des Landlers weggelassen.
1. Figur: Bursch umkreist Dirndl im Uhrzeigersinn ↷, sie dreht sich entgegen ↶.
1-8 Ohne die Fassung rechts in rechts zu lösen, hält der Bursch seinem Dirndl die gefaßten Hände über den Kopf und umkreist sie mit 8 Dreierschritten einmal im Uhrzeigersinn . Sie dreht sich in dieser Zeit viermal am Platz gegen den Uhrzeigersinn , pro Takt ein halbes mal.
Am Ende von Takt 8 stehen beide wieder in der Anfangsstellung; die gefaßten Hände werden etwas gegen Tanzrichtung geschwungen.
2. Figur: Dirndl und Bursch drehen abwechselnd.
1,2 Unter den erhobenen rechten Händen dreht sich das Dirndl einmal im Uhrzeigersinn . Danach senkt der Bursch die Hände, legt sie sich hoch an die rechte Seite seines Rückens, bückt sich und dreht sich einmal gegen den Uhrzeigersinn  "arschlings" unter dem rechten Dirndlarm durch.
3-8 Dieses "doppelte Radln" wird noch dreimal wiederholt, wobei er sich beim letzten mal nicht mehr unter dem Dirndlarm durchdreht sondern die linke Hand seines Dirndls ergreift und Rheinländerfassung mit Blick in Tanzrichtung einnimmt. Insgesamt dreht sie sich also 4 mal, er 3 mal.
[Im Beiheft zur CD der Firma Kögler beschreibt Heinz Hess diese zweite Figur mit nur einer Wiederholung, wobei jeder Teil langsamer getanzt wird und dann vier Takte lang dauert; genau so beschreibt es Karl Horak. Die Tanzpraxis in unserer Gegend folgt der Beschreibung von Hermann Derschmidt.]
3. Figur: Umgang in Rheinländerfassung.
1-8 Umgang in Rheinländerfassung mit Dreierschritten in Tanzrichtung. Dabei, wenn überhaupt, nur ganz wenig pendeln, d.h. im ersten Takt kaum merkbar kreiseinwärts, im zweiten Takt genau so wenig kreisauswärts gehen. Das Dirndl bleibt in jedem Falle schräg rechts vor dem Burschen. Im letzten Takt dreht er sie, ohne die Handfassungen zu lösen, gegen den Uhrzeigersinn  zur Gegenüberstellung im Stirndoppelkreis. Die Arme sind nun gekreuzt; die rechten Hände sind oben.
4. Figur: Buckelwetzen.
1-2 Bursch und Dirndl drehen sich unter den gehobenen Händen gleichzeitig so, daß die Rücken aneinander abrollen, sie dreht im , er gegen den Uhrzeigersinn . Dabei werden die gefaßten Hände im Kreis geführt: Nach vorne, nach oben, nach hinten und nach unten, wie Hess in seiner Beschreibung ausdrücklich hervorhebt.
3-8 Das Buckelwetzen wird noch dreimal wiederholt, also insgesamt viermal ausgeführt. Am Ende von Takt 8 alle Handfassungen lösen.
5. Figur: Sprung und Mühle.
1 Der Bursch springt beidbeinig Richtung Kreismitte.
2-4 Handfassung rechts in rechts einnehmen. Der Bursch geht mit kleinen Dreierschritten in Tanzrichtung, oder macht dieselben am Ort (Derschmidt) und führt sein Dirndl mit gehobenen rechten Händen einmal im Uhrzeigersinn  um sich herum. Wenn sie wieder gegen Tanzrichtung blickt, geschieht der Handwechsel zur rechtschultrigen Mühlenfassung, er faßt mit der rechten Hand ihre linke und umgekehrt. Die Arme werden waagerecht gehalten, bei beiden sind rechten gestreckt, die linken angewinkelt.
5-8 In der rechtschultrigen Mühlenfassung kreist das Paar einmal im Uhrzeigersinn  um die Paarachse.
6. Figur: Walzer.
1-8 Acht Takte Walzer in alter Wiener Fassung: Der Bursch legt seine Rechte mit ihrer gefaßten Linken dem Dirndl in den Rücken, seine Linke mit ihrer Rechten an seinen Rücken, die Hände jeweils in Hüfthöhe.

Nach dem Walzer kann der Tanz beendet oder ab Figur 1 wiederholt werden.