Ausgabe September 2010, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Oberbayerische Mazurka

Die Mazurka war zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Nationaltanz der Polen, wurde um 1750 auch schon in Deutschland getanzt und hat sich aber erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen festen Platz in den Ballsälen Mitteleuropas erobert. Sie hat viele Wandlungen erlebt, und ist in speziellen Formen im bairischen und alpenländischen Raum lebendig. Wie dem Klappentext der unten angeführten Musikquelle zu entnehmen ist, wurde die Musik zur Oberbayerische Mazurka von den Kirchdorfer Musikanten (Kirchdorf am Haunpold in der Nähe von Bruckmühl in Oberbayern) in den Jahren 1892/1893 schriftlich festgehalten. Die Tanzfiguren, die in der Münchner Umgebung heute zu dieser Musik üblich sind, wurden maßgeblich von Ingeborg Heinrichsen zusammengestellt und orientieren sich an alten Formen und solchen, die seit längerem in unserer Gegend gang und gäbe sind, wie z.B. Penzberger, Niederbayerische und Warschauer Mazurka. Eine im Druck erschienene Beschreibung findet man auf Seite 77ff in "Historische Volkstänze in und um München" von Ingeborg Heinrichsen, erschienen 2001 im Musikverlag Preißler. In unserer Gegend kommt die Oberbayerische Mazurka eher selten vor und wenn, dann kennzeichnet sie anspruchsvollere Volkstanzfeste.
Musikquelle: "Historische Volkstänze in und um München", JP 6149 CD,
Kontaktadresse: Musikverlag Preißler, Manzingerweg 7, 81241 München.
Tanzbeschreibung
Paarweise auf der Kreisbahn, Bursch und Dirndl stehen sich mit einem gewissen Abstand gegenüber, damit sie zu Beginn des Tanzes aufeinander zugehen können. Er hat den Rücken zur Kreismitte (Stirndoppelkreis). Die Arme hängen zwanglos herab. Die oben genannte Musikquelle hat keine spezielle Einleitung.
Takte Schritte und Bewegungen
1. Figur: Innenhandfassung, Schwingschritte, Dirndl drehen, Stampfen.
1-4 Bursch und Dirndl gehen mit vier kleinen, ruhigen Schritten aufeinander zu. Er beginnt mit dem linken sie mit dem rechten Fuß. In Takt 4 faßt er mit seiner rechten ihre linke Hand (Innenhandfassung). Die Arme sind gestreckt und hängen locker herab. Die freien Hände, sein linker und ihr rechter, liegen am eigenen Rücken an. Er schaut nach kreisaußen, sie zur Kreismitte.
5 Der Bursch macht mit dem linken Fuß einen kleinen Schritt seitwärts in Tanzrichtung und schwingt den rechten Fuß über den linken. Dabei wird der rechte Oberschenkel ein wenig angehoben und das Bein etwas angewinkelt. Auf keinen Fall soll das Bein beim Überschwingen gestreckt bleiben. Die Ferse des Standbeins kann sich dabei etwas vom Boden abheben. Das Dirndl macht die gegengleiche Bewegung; sie schwingt mit dem linken Fuß über den rechten. Die gefaßten Hände, seine rechte und ihre linke, schwingen in Tanzrichtung mit, aber höchstens hüfthoch.
6 Gegengleiche Bewegung: Beim Zurückschwingen des rechten Fußes stellt er diesen ein wenig gegen Tanzrichtung auf den Boden und schwingt mit dem linken Fuß über den rechten. Das Dirndl macht die gegengleiche Bewegung: Sie stellt den linken Fuß ein wenig gegen Tanzrichtung und schwingt mit dem rechten Fuß über den linken. Die gefaßten Hände bewegen sich etwas gegen Tanzrichtung.
7,8 Der Bursch hebt den rechten Arm und hält dem Dirndl die gefaßten Innenhände über den Kopf. Sie dreht sich unter diesen mit sechs Schritten zweimal im Uhrzeigersinn  um die eigene Achse; der Bursch führt, ohne großräumig zu kurbeln. Während sich das Dirndl dreht, tritt er die sechs Schritte am Platz, wobei die letzten zwei gestampft werden (links, rechts). Am Ende von Takt 8 nehmen beide halboffene Rundtanzfassung ein mit Blick in Tanzrichtung.
2. Figur: Mazurkaschritte, Kreisen, Schwingschritte, Dirndl drehen, Stampfen.
9,10 Halboffene Tanzhaltung, die Außenarme (sein linker, ihr rechter) vorgestreckt, die Außhände gefaßt, der Blick ist in Tanzrichtung.
Die Paare machen zwei Mazurkaschritte: Die Mazurkaschritte beginnen in Zählzeit 1 des jeweiligen Taktes für beide mit einem federnden, raumgreifenden Sprung vorwärts auf den Außenfuß. Die Innenfüße werden dabei vom Boden abgehoben. Man sollte darauf achten, daß man mit diesen nicht nach hinten ausschlägt! In Zählzeit 2 springen beide auf den Innenfuß, direkt neben dem Außenfuß. Gleichzeitig wird der Außenfuß ein wenig in Tanzrichtung vorbeschnellt, er bleibt aber nahe am Boden. In Zählzeit 3 hüpfen beide noch einmal auf dem Innenfuß auf. Die Paare sollten insgesamt leicht in Tanzrichtung vorwärts kommen.
Der zweite Mazurkaschritt ist genau wie der erste; er beginnt auch mit dem Außenfuß.
11,12 In unveränderter Tanzhaltung führt der Bursch sein Dirndl mit 6 Schritten in einem kleinen Kreis gegen den Uhrzeigersinn  einmal herum. Am Ende von Takt 12 löst er die linke Handfassung, hält die Innenhandfassung bei und nimmt Gegenüberstellung ein, er mit dem Rücken zur Kreismitte.
13-16 Mit gefaßten Innenhänden zwei Schwingschritte, einen in und einen gegen die Tanzrichtung machen, das Dirndl zweimal im Uhrzeigersinn  drehen und stampfen, wie in den Takten 5 bis 8 beschrieben.
Zweimaliges Wiederholen der Figur 2.
1-16 Die Mazurkaschritte, das Kreisen, die Schwingschritte, das Dirndl drehen und das Stampfen werden noch zweimal wiederholt, sodaß die Figur 2 insgesamt dreimal nacheinander getanzt wird.
Am Ende von Takten 16 nehmen die Paare Hüft-Schulterfassung ein: Das Dirndl steht rechts neben dem Burschen, beide habe die Front in Tanzrichtung und die Außenhände in der Hüfte eingestützt. Der rechte Arm des Burschen liegt am Rücken des Dirndls an, seine rechte Hand hält ihre in der rechten Hüfte eingestützte rechte Hand. Die linke Dirndlhand ruht auf der rechten Schulter des Burschen.
3. Figur: Füße ausstellen, drei Schritte gehen, Platzwechsel des Dirndls.
1,2 Bursch und Dirndl stehen auf den Innenfüßen, sein rechter, ihr linker Fuß, und stellen die Außenfüße nach schräg außen auf die Fersen. Die Fußspitzen zeigen dabei nach oben. In Takt 2 gehen beide mit drei Schritten in Tanzrichtung, die Außenfüße beginnen, er stampft, sie nicht.
3,4 Das Dirndl geht mit 6 Schritten vor dem Burschen auf seine linke Seite, wobei sie sich einmal gegen den Uhrzeigersinn  dreht. Der Bursch tritt die 6 Schritte auf der Stelle. Am Ende von Takt 4 nehmen beide gegengleiche Hüft-Schulterfassung ein: Das Dirndl steht links neben dem Burschen, beide habe die Front in Tanzrichtung und die Außenhände eingestützt. Der linke Arm des Burschen liegt am Rücken des Dirndls an, seine linke Hand hält die linke Dirndlhand. Die rechte Dirndlhand ruht auf seiner linken Schulter.
5,6 Bursch und Dirndl stehen auf den Innenfüßen, nun sein linker und ihr rechter Fuß, und stellen die Außenfüße nach schräg außen auf die Fersen. Mit den Außenfüßen beginnend gehen beide in Takt 6 mit drei Schritten in Tanzrichtung, er stampft, sie nicht.
7,8 Das Dirndl geht mit 6 Schritten vor dem Burschen zurück auf seine rechte Seite, wobei sie sich einmal im Uhrzeigersinn  dreht. Der Bursch tritt die 6 Schritte auf der Stelle. Am Ende von Takt 8 nehmen beide Rundtanzfassung ein.
4. Figur: Acht Takte Rechtswalzer.
9-16 Auf der Kreisbahn tanzen die Paare acht Takte Walzer im Uhrzeigersinn . Am Ende von Takten 16 nehmen die Paare Hüft-Schulterfassung ein: Das Dirndl steht rechts neben dem Burschen, beide habe die Front in Tanzrichtung. Seine rechte Hand hält ihre rechte Hand an ihrer rechten Hüfte. Die linke Dirndlhand ruht auf der rechten Schulter des Burschen.
Wiederholen der Figuren 3 und 4.
1-16 Das Ausstellen der Fersen und das Gehen der drei Schritte in Hüft-Schulterfassung, der Platzwechsel des Dirndls und der Walzer werden einmal wiederholt wie in den Figuren 3 und 4 beschrieben.
Nach der Wiederholung nehmen die Paare am Ende nehmen von Takt 16 Hüft-Schulterfassung ein: Das Dirndl steht rechts neben dem Burschen.
5. Figur: Gehen in Tanzrichtung, Kreisen links ↶, rechts ↷, links ↶ herum.
1,2 Hüft-Schulterfassung, das Dirndl rechts neben dem Burschen, beide habe die Front in Tanzrichtung und die Außenhände in der Hüfte eingestützt. Er hält mit der rechten Hand die rechte Hand des Dirndls an ihrer rechten Hüfte. Die linke Dirndlhand ruht auf seiner rechten Schulter. Mit den Außenfüßen beginnend gehen die Paare zwei Dreierschritte in Tanzrichtung.
3,4 In unveränderter Hüft-Schulterfassung kreisen die Paare am Platze einmal gegen den Uhrzeigersinn .
5,6 In der gleichen Hüft-Schulterfassung gehen die Paare wieder zwei Dreierschritte in Tanzrichtung; sie beginnen mit den Außenfüßen.
7,8 Kreisen am Platze einmal im Uhrzeigersinn .
9,10 In Hüft-Schulterfassung, das Dirndl rechts neben dem Burschen, gehen die Paare zwei Dreierschritte in Tanzrichtung.
11,12 In Hüft-Schulterfassung kreisen die Paare einmal gegen den Uhrzeigersinn . Am Ende von Takt 12 stellen sich Bursch und Dirndl gegenüber, er mit dem Rücken zur Kreismitte. Er faßt mit seiner rechten ihre linke Hand (Innenhandfassung). Die Arme sind gestreckt und hängen locker herab. Die freien Hände, seine linke und ihre rechte, liegen am eigenen Rücken an.
6. Figur: Innenhandfassung, Schwingschritte, Bursch und Dirndl drehen sich auseinander.
13,14 Mit Innenhandfassung folgen Schwingschritte, wie in Takten 5 und 6 der ersten Figur beschrieben: Der Bursch macht mit dem linken Fuß einen kleinen Schritt in Tanzrichtung und schwingt den rechten Fuß über den linken und dann mit dem linken über den rechten. Das Dirndl macht die gegengleiche Bewegung. Die gefaßten Hände schwingen entsprechend mit.
15,16 Die Handfassung lösen. Bursch und Dirndl drehen sich getrennt mit zwei Dreierschritten einmal um die eigene Achse, sie im , er gegen den Uhrzeigersinn . Nicht Stampfen. Am Ende von Takt 16 Hüft-Schulterfassung einnehmen, das Dirndl rechts neben dem Burschen, die Außenhände eingestützt, Front in Tanzrichtung.
Wiederholen der Figuren 5 und 6.
1-16 Wiederholen des Gehens in Tanzrichtung, des abwechselnden Kreisens in und gegen den Uhrzeigersinn, sowie der Schwingschritte und des Auseinanderdrehens, wie in den Figuren 5 und 6 beschrieben. Am Ende von Takt 16 nehmen beide halboffene Rundtanzfassung ein mit Blick in Tanzrichtunmg.
Zweimaliges Wiederholen der Figur 2.
1-16 Die Mazurkaschritte, das Kreisen, die Schwingschritte, das Dirndl Drehen und das Stampfen werden zweimal wiederholt wie in Figur 2 beschrieben.

Damit ist die Oberbayerische Mazurka beendet.