Ausgabe Oktober 2006, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Obernzeller Landler

Obernzell liegt an der Donau etwa 15 km Fluß abwärts von Passau auf der niederbayerischen Seite. Wolfgang A. Mayer hat 1971 von diesem Landler eine Tonbandaufnahme mit Hugo Lang gemacht, der lange Zeit der Musikant der "Waldler Gmoa" gewesen ist. Er hat uns auch den Obernzeller Landler im Tanzkreis Freising im Juli 1993 und dann nochmals im Oktober 2007 gezeigt. Die nachfolgende Beschreibung basiert auf Information von ihm und eigenen Beobachtungen an diesen Übungsabenden. Der Tanz kommt auf öffentlichen Veranstaltungen kaum vor, wird aber durchaus in Tanzkreisen und Tanzseminaren von Ingeborg Heinrichsen, Erwin Tessaro, Walter Straube und wohl auch anderen gelehrt. Dadurch kommen auch geringfügige Unterschiede in der Ausführung des Tanzes zu stande.
Musikquelle:  Lehrgangs-MC.
Tanzbeschreibung
Paarweise auf der Kreisbahn, Blick in Tanzrichtung. Das Dirndl ist auf der rechten Seite vom Burschen und hakt sich mit ihrem linken Arm beim rechten Burschenarm ein. Während der ersten Figur im ersten Durchgang des Landlers gehen die Paare im Landlerschritt und in der beschriebenen Haltung auf die Tanzfläche.
Takte Schritte und Bewegungen
1. Figur: Gehen in Tanzrichtung auf der Kreisbahn.
1 Landlerschritt: Mit den Außenfüßen beginnend, machen Bursch und Dirndl in der ersten Zählzeit einen Schritt mit Gewichtsübertragung in Tanzrichtung. In der zweiten Zählzeit werden die Innenfüße ohne Gewichtsübertragung beigestellt, wobei nur die Fußspitze den Boden berührt. In der dritten Zählzeit wippen beide einmal leicht, durch geringes Beugen des Knies, auf dem Standbein auf und ab.
2 Der nächste Schritt wird mit den Innenfüßen ausgeführt. Die Bewegungen erfolgen gegengleich zu denen in Takt 1.
3-8 Das Gehen in diesem abgestoppten Dreierschritt setzt sich fort wie in den Takten 1 und 2 beschrieben.
2. Figur: Gehen in Tanzrichtung mit Singen.
1-8 Mit dem Außenfuß beginnend, gehen Dirndl und Bursch eingehängt im Landlerschritt, wie in Figur 1 beschrieben, in Tanzrichtung auf der Kreisbahn und singen dazu einen Vierzeiler. Auch die Dirndl dürfen, ja sollen sogar, mitsingen.
3. Figur: Linksschultrige Mühle mit tiefer Fassung
1-6 Dirndl und Bursch fassen sich an den Händen (rechte in linke), wenden sich mit einer viertel Drehung im Uhrzeigersinn zueinander, sodaß sie sich linksschultrig versetzt gegenüber stehen und strecken die Arme schräg nach unten zur tiefen Zweihandfassung. Er blickt nach kreisaußen, sie zur Kreismitte. In dieser Haltung gehen beide im Landlerschritt, wie in Figur 1 beschrieben, gegen den Uhrzeigersinn zweimal um die Paarachse, wobei die linken Füße beginnen.
7,8 Bei Takt 7 hält das Dirndl inne, der Bursch löst die linke Handfassung, hebt die rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls und geht mit zwei Schritten im Uhrzeigersinn durch dieses Tor zur Gegenüberstellung mit dem Dirndl, Bursch mit Rücken zur Kreismitte. Er dreht sich dabei fast einmal im Uhrzeigersinn um sich selbst. Die Innenhände bleiben weiterhin gefaßt und werden am Ende von Takt 8 ein klein wenig gegen Tanzrichtung geschwungen.
4. Figur: Arme schwingen, Dirndl umrunden und halsen (4 mal; 24 Takte).
1 Der Bursch schwingt seine rechte mit der gefaßten linken Dirndlhand in Tanzrichtung vor. Die Arme sind fast gestreckt. Die Außenhände hängen locker herab oder liegen am Rücken an.
2-4 Der Bursch umrundet sein Dirndl mit drei Schritten, mit dem rechten Fuß beginnend, einmal im Uhrzeigersinn , sie dreht sich fast drei mal gegen den Uhrzeigersinn und weicht ihm etwas aus. Er macht mit den gefaßten Händen und mit fast gestrecktem Arm und eine großräumig kurbelnde Bewegung. Am Ende des vierten Taktes senkt der Bursch die gefaßten Hände und legt ihr seinen rechten Arm um den Hals.
5,6 Sie dreht sich in seinen Arm ein und er zieht sie ein wenig an sich heran ("Halsen"). Beide haben nun die Front in Tanzrichtung. Mit einer Drehung im Uhrzeigersinn wird das Dirndl am fast gestreckten Arm im Uhrzeigersinn aus- und in Takt 6 noch einmal im Uhrzeigersinn weitergedreht.
7-12 Wiederholung des Arme Schwingens, Dirndl Umrundens und Halsens, wie in den ersten sechs Takten der 4. Figur beschrieben.
13-24 Die sechstaktige Figur wird noch zweimal wiederholt, also insgesamt vier mal ausgeführt.
Ob der Bursch das Dirndl am Streckarm führt oder die gefaßten Hände oben läßt, hängt von der Spielweise der Musikanten ab. Bei langsamem Tempo wird man eher "kurbeln", bei schnellerem die Arme oben lassen, weil man sonst in Hektik verfällt.
Kadenz: Arme schwingen, Dirndl einmal drehen.
1,2 Die gefaßten Innenhände werden vor geschwungen und das Dirndl beim Rückschwingen noch einmal gegen den Uhrzeigersinn  gedreht. Alternativ kann man das Schwingen und Dirndl Drehen weglassen und in Anfangshaltung zwei Landlerschritte in Tanzrichtung gehen.

Damit ist ein Durchgang des Landlers beendet. Im allgemeinen wird er drei mal durchgetanzt.
Nachfolgend einige Vierzeiler, die in Figur 2 gesungen werden können:

Lustig und kreuzfidel
Hoam gehn ma nit so schnell.
Hoam gehn ma scho
Aba jetzat nit no!
Furt in der Früah, hoam auf d' Nacht
So hats mei Vota gmacht.
Furt auf d'Nacht, hoam in der Früah,
So machans mir.

Lustig is auf der Welt,
Ham die Herrn a koa Geld,
Is für uns a koa Schand,
Wann ma koans ham!
Aber lusti hab i g'heirat
Und traurig hab i g'haust,
Hab a Stubn voll Kloane
Und a Wei das ma graust.

Aba Deandl, wannst mi wuist liam,
Muaßt as Herz auffi schnürn,
D' Haar müaßn gschnecklat sei,
Nacha ghörst mei.
Des landlerisch Tanz'n
Und 's Gehn bei der Nacht,
Des hat mi meim Deixl
So liadali g'macht.

Vom Woid samma aussa,
Drum samma so frisch,
Ja weil Winter wia Sommer
A Schneewerl drin is.
Drei Radi, drei Ruam
Und drei Waldler-Buam,
Aba de san hoit so raß,
Daß's koa Teife net fraß.