Ausgabe November 2015, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Paschater Flugs-umi
(Leonhardler Påscher)

Der Volkstanz "Paschater Flugs-umi" ist in Süddeutschland und Österreich in verschiedenen Ausformungen beschrieben und verbreitet. Fritz Frank schreibt im Heft "Steirische Tanzmappe", sinngemäß, daß Günther Gerhard ihn in der Nähe von Ybbsitz bei einem Schnittertanz gesehen und auch dort gelernt hat. Er hat diese Tanzform 1924 durch die Grazer Volkstanzgruppe Rügen in der Steiermark verbreitet, wie Anton Novak berichtet. Letzterer hat diesen Tanz in seinem Buch "Steirische Tänze" veröffentlicht. Fritz Frank schreibt weiter in oben genannter Mappe, daß Raimund Zoder den Tanz "Paschater Flugs-umi" 1910 in Ybbsitz kennengelernt und ihn im ersten Teil der "Österreichischen Volkstänze", 1.Teil, Nr. 3, Österreichischer Bundesverlag, veröffentlicht hat. Es gibt eine Tanzbeschreibung von Ludwig Berghold im zweiten Band von "Volkstänze aus Niederösterreich" (Eigenverlag NÖHeimatpflege, A-2340 Mödling, 1988), welche sich auf die Aufzeichnung von Raimund Zoder von 1910 in Ybbsitz bezieht. In dieser Beschreibung werden noch zwei weitere Tanzvarianten vorgestellt und in einer Bemerkung zu dem Tanz darauf hingewiesen, daß der "Paschater Flugs-umi" im Ort St. Leonhard nahe Ybbsitz "Leonhardler Påscher" genannt wird. Unter diesem Namen gibt es im Spinnradl ("Spinnradl, Unser Tanzbuch" Musikverlag Josef Preissler 1974, Zweite Folge, 8 München 2) eine weitere Tanzbeschreibung. Zur Einordnung des Tanzes entnehme ich dem Tanzlexikon, Autor Otto Schneider, (Schott Verlag, Mainz 1985, ISBN 3-7957-2800-2), daß der "Paschater Flugs-umi" Zitat: "Ein österreichisch-süddeutscher Volkstanz in Form einer Bayerisch-Polka (des Boarischen) mit Klatschen in die Hände und auf die Oberschenkel (ist)" Zitat Ende. Seinen Namen hat er vom Paschen und vom schnellen sich Umdrehen (Flugs-ummi-drahn). In Niederösterreich (Randegg) führt er auch den Namen "Leonhardler Påscher".
Die folgende Tanzbeschreibung bezieht sich auf die in der Steiermark verbreitete Form, so wie sie in der "Steirischen Tanzmappe" veröffentlicht wurde. Diese weicht von der Tanzbeschreibung des Herrn Zoder etwas ab. In der Münchner Gegend ist der "Paschater Flugs-umi" wenig bekannt. Im Volkstanzkreis Freising lernen wir gerade diese Version (wie von der ArGe Volkstanz Steiermark, Sporgasse 23 in 8010 Graz unter den Namen "Steirisch Tanzen 2008" heausgegeben) als Tanz des vierten Quartals 2015. Die Melodie steht im Zweivierteltakt.
Musikquelle: Dreifach-CD: Die steirische Tanzmappe "Steirisch Tanzen", CD 2, Pfeffertrio
Kontaktadresse: ArGe Volkstanz-Steiermark, Karmeliterplatz 2, A-8011 Graz.
Tanzbeschreibung
Bursch und Dirndl stehen sich auf der Kreisbahn gegenüber, er mit Blick zur Kreismitte. Die rechten Hände sind in Hüfthöhe gefaßt, die linken Hände hängen zwanglos herab oder sind am eigenen Rücken angelegt. Keine Tanzbewegung während des Vorspiels, sofern es eines gibt.
Takte Schritte und Bewegungen
1. Figur: Schwingen der Beine in und gegen Tanzrichtung.
1 Im ersten Viertel des ersten Taktes schwingt der Bursch das linke Bein über das Rechte in Tanzrichtung. Das Dirndl macht es gegengleich. Die Paare schwingen also beide in die gleiche Richtung. Die Beine sind im Knie leicht angewinkelt, die Beine auf keinen Fall gestreckt lassen. Die Ferse des Standbeins wird beim Schwingen leicht angehoben, um die Schwunghaftigkeit des Tanzes zu betonen. Die gefaßten Hände schwingen in Tanzrichtung mit.
Im zweiten Viertel gibt es bei gleicher Handhaltung die gegengleiche Beinbewegung: Der Bursch steht auf dem linken Fuß und schwingt mit dem rechten, etwas angewinkelten Bein über das Linke. Das Dirndl steht auf dem rechten Bein und schwingt mit dem Linken über das Rechte. Beide schwingen also wieder in die gleiche Richtung, diesmal gegen Tanzrichtung. Die Ferse des Standbeins wird wieder leicht angehoben, die gefaßten Hände schwingen gegen Tanzrichtung mit.
2 Die Paare schwingen wieder die Beine in Tanzrichtung. Dabei hebt der Bursch die rechte Hand mit der gefaßten Rechten des Dirndls über Kopfhöhe und sie dreht sich unter diesen einmal gegen den Uhrzeigersinn um ihre eigene Achse (Eindrehen).
2. Figur: Linksschultrige Haltung einnehmen, ↶ umeinander herumlaufen.
3 Noch während sich das Dirndl gegen den Uhrzeigersinn dreht, läßt der Bursch die rechte Hand seines Dirndls los und übernimmt mit seiner linken Hand die rechte Hand des Dirndls (Handwechsel). Sie dreht sich gegen den Uhrzeigersinn weiter, der Bursch dreht sich gleichzeitig etwas im Uhrzeigersinn bis beide linksschultrig nebeneinander stehen und in entgegengesetzte Richtungen schauen. Er sollte dann mit der Front in, sie mit der Front gegen Tanzrichtung stehen. Beide strecken die linken Arme seitwärts. Der Bursch hält seine rechte Hand mit der gefaßten Linken des Dirndls an seinen Rücken, und faßt ihre rechte Hand mit seiner Linken an ihrem Rücken.
4-6 In dieser Haltung läuft das Paar zweimal schnell gegen den Uhrzeigersinn um die Paarachse. Am Ende von Takt 6 zieht der Bursch ein wenig mit der linken Hand an zum Zeichen, daß das Dirndl sich im Uhrzeigersinn drehen möge, damit sich beide gegenüberstehen, er mit Blick zur Kreismitte.
3. Figur: Paschen mit dem Gegenüber: Schenkel, eigen, pasch, pasch, pasch.
7 Im ersten Viertel des siebten Taktes schlägt sich der Bursch mit beiden Händen auf die Oberschenkel. Das Dirndl deutet den Schlag auf die Oberschenkel nur an.
Im zweiten Viertel klatschen beide vor dem Oberkörper einmal in die eigenen Hände.
8 Die Paare klatschen dreimal schnell nacheinander in Kopfhöhe in die Hände des Gegenübers. Er mit der rechten Hand in die Linke und mit der linken Hand in die rechte Hand des Dirndls.

Damit ist ein Durchgang des Tanzes beendet. Er setzt sich fort mit Wiederholungen der Takte 1-8 solange die Tanzlmusi die Weise spielt.