Ausgabe Juli 2010, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Radetzky-Polka.

Die Radetzky-Polka ist ein Wechseltanz mit Gesang, der aus dem Traunviertel, südwestlich von Linz, in Oberösterreich stammt. Hans Commenda hat ihn in der Gegend aufgezeichnet und ihn 1928 in "Deutsche Volkstänze" Heft 4 im Bärenreiterverlag, Kassel, veröffentlicht. Eine weitere Beschreibung erschien 1985 im Buch von Hermann Derschmidt: "Tänze aus Oberösterreich" Seite 78, (ISBN 3-85393-032-8). Ich habe die Radetzky-Polka auf Tanzwochen in Zell an der Pram 1990, 1991 und 1995 kennen gelernt. Auf einem öffentlichen Tanzfest habe ich sie noch nicht gesehen, auch in unserem Tanzkreis wird sie nur ganz selten praktiziert. Die nachfolgende Beschreibung beruht auf Aufzeichnugen, die ich bei den genannten Seminaren gemacht habe. Die Musik ist im Zweivierteltakt.
Musikquelle: CD3 "Tänze aus Oberösterreich", LC6575, sw 010094-2.
Bezugsquelle: OÖ Volksliedwerk A-4020 Linz, Landstraße 31.
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare in normaler Tanzhaltung oder in Körblfassung auf der Kreisbahn. Bei drangvoller Enge sollte man zwei konzentrische Kreise machen, wobei der innere Kreis deutlich kleiner sein muß als der äußere, damit die Burschen in der 4. Figur ihre Beine ausstrecken können. Einleitung ohne Tanzbewegung abwarten.
Takt Schritte und Bewegungen
1. Figur: Langsamer Zweischrittdreher oder Polka.
1-16 Die Paare tanzen in beliebiger Rundtanzfassung zweimal acht Takte Polka (also insgesamt 16 Polkaschritte) oder Dreher.
2. Figur: Zweischrittdreher.
1-8 Die Musik spielt nun schneller. Alle tanzen acht Takte Zweischrittdreher.
Kadenz: Die Burschen stampfen und stellen sich zum Männerkreis auf.
                Die Dirndl bleiben außen hinter ihren Tänzern.
1,2 Die Burschen stampfen in den ersten drei Achteln des ersten Taktes abwechselnd je einmal mit dem linken und dem rechten Fuß, also insgesamt dreimal. Sie beginnen mit dem Linken. Im vierten Achtel ist Pause.
Im zweiten Takt stampfen die Burschen mit dem rechten Fuß beginnend in den ersten drei Achteln abwechselnd je einmal. Im vierten Achtel ist Pause.
Gleichzeitig mit dem Stampfen lösen sich die Burschen von ihren Dirndln, gehen Richtung Kreismitte und bilden den Burschen- oder Männerkreis (Stirnkreis). Dabei legen sie die linke Hand auf die rechte Schulter des linken und die rechte Hand an die rechte Hüfte des rechten Nebenmannes. Alternativ können die Burschen die rechte Hand auch auf die linke Schulter des rechten Nachbarn legen.
3 Die Burschen stampfen in jedem Achtel abwechselnd je einmal mit dem linken und rechten Fuß, also insgesamt viermal. Sie beginnen mit dem linken Fuß.
4 Die Burschen stampfen im ersten Achtel einmal mit dem linken Fuß. Im dritten Achtel stellen sie den rechten Fuß nach rechts und übertragen das Gewicht auf ihn. Zwischen dem linken und rechten Fuß soll ein deutlicher Abstand sein.
Während der ganzen 3. Figur bleiben die Dirndl hinter ihren Burschen.
3. Figur: Die Burschen bewegen sich mit Seitstellschritten in Tanzrichtung.
                Die Dirndl bleiben hinter ihren Burschen.
1-8 Im Männerkreis, wie in der Kadenz beschrieben, machen die Burschen Seitstellschritte, so daß sich der Kreis in Tanzrichtung, also gegen den Uhrzeigersinn  um den Mittelpunkt bewegt. Die Burschen stellen im ersten Viertel eines jeden Taktes erst den linken Fuß bei (den linken neben den rechten) und dann im zweiten Viertel den rechten nach rechts. In den acht Takten geschieht das also achtmal. Die Dirndl gehen hinter den Burschen mit kleinen Gehschritten vorwärts in Tanzrichtung mit. Sie bleiben also hinter ihren Burschen. Alle, Burschen und Dirndl, singen währenddessen. Der Text steht am Ende dieser Beschreibung.
9-16 In den Takten 9-16 wird die Figur 3 wiederholt. Ohne die Tanzhaltung zu verändern gehen die Bewegungen weiter wie gehabt und das Lied wird nochmal gesungen.
4. Figur: Die Burschen hüpfen erst auf dem linken, dann auf dem rechten Bein.
                Die Dirndl bleiben hinter ihren Burschen.
1-8 Ohne die Kreis-Fassung zu ändern, hüpfen die Burschen auf dem linken Bein seitwärts in Tanzrichtung. Dabei wird das rechte Bein Richtung Kreismitte ausgestreckt. Pro Takt wird ein Hupfer gemacht. Die Dirndl gehen mit kleinen Gehschritten in Tanzrichtung mit. Sie bleiben also hinter ihren Burschen. Gesungen wird nun nicht mehr.
9-16 Die Burschen setzen das Hüpfen im Männerkreis fort, wobei sie ab Takt 9 das rechte Bein als Sprungbein benutzen und das linke Bein zur Kreismitte strecken. Für die Dirndl ändert sich nichts.
5. Figur: Umgang auf getrennten Bahnen. Die Burschen paschen zweimal pro Takt.
1-8 Alle Fassungen lösen.
Die Burschen gehen mit 4 Schritten nicht ganz einmal auf einem kleinen Kreis gegen den Uhrzeigersinn  herum (sie drehen sich praktisch ¾ mal mit zwei Takten fast am Ort einmal um die eigene Achse) und gehen dann in Tanzrichtung vorwärts auf der Kreisinnenbahn gegen den Uhrzeigersinn  hintereinander her.
Die Dirndl machen in den ersten zwei Takten kehrt, sie drehen sich ein halbes mal gegen den Uhrzeigersinn  um die eigene Achse und gehen dann auf der Außenbahn gegen Tanzrichtung vorwärts also im Uhrzeigersinn  hintereinander her den Burschen entgegen.

Damit ist ein Durchgang beendet. Die Radetzky-Polka wird üblicherweise dreimal durchgetanzt. Der zweite Durchgang beginnt wieder mit Polka Tanzen, wie in Figur 1 beschrieben, aber jetzt mit einem Zufallspartner, nämlich dem, der am Ende des ersten Teils am nächten stand. Die oben angegebene Musikquelle hat nur einen Durchgang. Zum Abschluß wird jedoch mit dem Zufallspartner Polka und Zweischrittdreher getanzt, wie in den Figuren 1 und 2 beschrieben.
In der Figur 3 kann man zweimal nacheinander folgenden Vierzeiler singen:

Die Donau is ins Wasser g'falln, der Eisstoß is vabrennt.
Da is der Wiener Stephansdom mit'm Stroh zum Löschen grennt!