Ausgabe November 2004, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Salzburger Dreher

Die Bezeichnung "Salzburger Dreher" hat mit dem Land oder der Stadt Salzburg nichts zu tun. Nach Hermann Derschmidt gibt es keine Überlieferung von dort zu diesem Tanz. Die Herkunft des Namens ist unbekannt und der Bezug auf Salzburg beruht wahrscheinlich auf einem Irrtum.
Erna Schützenberger hat den Salzburger Dreher 1930 in Nottau im Bayerischen Wald aufgezeichnet und 1974 in der zweiten Folge von "Spinnradl, Unser Tanzbuch", Seite 5, veröffentlicht. In dieser Tanzbeschreibung erfolgt die erste Drehung des Dirndls gegen den Uhrzeigersinn. Diese Form ist in unserer Gegend unbekannt. Hermann Derschmidt beschreibt in seinem Buch: "Tänze aus Oberösterreich" von 1985 auf Seite 72, daß die erste Dirndldrehung im Uhrzeigersinn erfolgt. Wenn diese auch bei uns so praktiziert wird, entspricht die Tanzbeschreibung doch nicht den Gepflogenheiten in der münchener Gegend, denn bei uns fehlen die ausgeprägten Seitstellschritte während der Dirndldrehung. Sie sind wohl im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten.
Die nachfolgende Beschreibung orientiert sich an der Tanzpraxis der Gegend in und um München. Verbreitet ist der Salzburger Dreher in Bayern und Österreich und gehört hier zu den Grundtänzen.
Musikquelle: CD "Tanzn tua i gern", gespielt von der Passauer Volkstanzmusi.
Bezugsquelle: Polysound Musikverlag Bay. Wald 1999, Best.Nr: 99-01.
Tanzbeschreibung
Bursch und Dirndl stehen sich auf der Kreisbahn gegenüber, er mit dem Rücken zur Kreismitte (Stirndoppelkreis). Normale Tanzhaltung.
Takt Schritte und Bewegungen
1. Figur: Dirndl drehen mit Handwechsel (Kein Stampfen!).
1,2 Der Bursch löst die Fassung der rechten Hand, hebt die linke mit der gefaßten rechten Dirndlhand über Kopfhöhe. Sie dreht sich einmal mit vier Schritten unter den über ihren Kopf gehaltenen Händen im Uhrzeigersinn und kommt dabei, wenn überhaupt, nur wenig in Tanzrichtung vorwärts. Er geht in diesem Fall mit kleinen Seitstellschritten in Tanzrichtung mit. Auf dem Tanzboden unterbleibt fast immer das Vorwärtskommen in Tanzrichtung, das Dirndl dreht sich am Platze, der Bursch tritt die Schritte auf der Stelle. Am Schluss von Takt 2 stehen sich Bursch und Dirndl gegenüber, er nach wie vor mit dem Rücken zur Kreismitte. Er senkt seine linke Hand, löst die Fassung und ergreift mit der rechten die linke Dirndlhand.
3,4 Der Bursch dreht nun das Dirndl mit der rechten Hand gegen den Uhrzeigersinn und macht die entsprechenden Schritte. Am Ende von Takt 4 wird die normale Tanzhaltung eingenommen, er steht noch immer mit dem Rücken zur Kreismitte. Die linke Hand mit der gefaßten rechten vom Dirndl wird in Tanzrichtung gestreckt.
2. Figur: Seitstellschritte und Zweischrittdreher.
5,6 Bursch und Dirndl machen gemeinsam zwei Nachstellschritte in Tanzrichtung. Er beginnt mit dem linken, sie mit dem rechten Fuß. Ein Auf und Ab der Arme oder Schaukeln mit dem Oberkörper ist zu vermeiden.
7,8 Es folgt ein Zweischrittdreher in geschlossener Rundtanzfassung am Ort im Uhrzeigersinn, wobei mit vier Schritten zwei Drehungen gemacht werden sollten. Der Bursch muß darauf achten, daß das Paar am Ende des achten Taktes wieder in der Grundausrichtung auf der Kreisbahn steht, er mit dem Rücken zur Kreismitte.

Damit ist ein Durchgang beendet. Der Tanz setzt sich fort mit Drehen des Dirndls im Uhrzeigersinn. Beim Salzburger Dreher ist Stampfen nicht üblich.