Ausgabe Januar 2008, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Schwarzwaldmädel

Wolfgang A. Mayer, vom Institut für Volkskunde in München, bringt in seinen Seminaren und Tanzveranstaltungen oft seltene Tanzformen und Lieder aus Niederbayern. Zu diesen Tänzen zählt auch das "Schwarzwaldmädel". Er hat diesen Tanz 1984 im Gebiet Rohrstetten und Auerbach im Bayerischen Wald, ca. 15 km östlich von Deggendorf aufgeschrieben und vermutet, daß das "Schwarzwaldmädel" in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in den Tanzschulen gelehrt wurde. Bei uns in der Gegend wird dieser Tanz allenfalls in Volkstanzkreisen gepflegt, auf öffentlichen Veranstaltungen habe ich es noch nicht gesehen. Die nachfolgende Beschreibung beruht auf Beobachtungen und Notizen, die ich auf W.A. Mayers Lehrgängen gemacht habe. Bei diesen Gelegenheiten hat er zwei verschiedene Versionen gezeigt. Die Abweichungen von der ersten stehen an entsprechender Stelle in eckigen Klammern.
Musikquelle:  Lehrgangs-MC mit Willi Bauer.
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare auf der Kreisbahn. Das Dirndl steht schräg rechts vor dem Burschen. Beide schauen in Tanzrichtung. Die rechten Hände sind gefaßt und ruhen leicht auf der rechten Schulter vom Dirndl. Die linken Arme mit den gefaßten Händen sind zur Kreismitte gerichtet, die Arme sind aber nicht ganz gestreckt. Diese Haltung heißt Rheinländerfassung. Keine Tanzbewegung während des Vorspiels.
[Das Dirndl steht vor dem Burschen. Beide schauen in Tanzrichtung. Die rechten Hände sind gefaßt und ruhen leicht auf der rechten Schulter vom Dirndl. Die gefaßten linken Hände liegen leicht auf der linken Dirndlschulter].
Takt Schritte und Bewegungen
1. Figur: Vorwärts gehen in Tanzrichtung, erst im Wechsel- dann im Gehschritt.
1,2 Bursch und Dirndl beginnen mit dem linken Fuß und gehen einen Wechselschritt vorwärts in Tanzrichtung. Im zweiten Takt beginnen sie mit dem rechten Fuß und machen einen Wechselschritt vorwärts in Tanzrichtung. Die zur Kreismitte gerichteten linken Arme werden ruhig gehalten, nicht hin- und herschwenken.
3,4 Ohne die Haltung zu ändern, machen beide, mit dem linken Fuß beginnend, vier Gehschritte in Tanzrichtung vorwärts. Am Ende von Takt 4 haben die Tanzenden das Gewicht auf dem rechten Fuß.
2. Figur: Links und rechts tupfen, sich anschauen und Dirndl im Uhrzeigersinn ↷ drehen.
5 Beide stellen den linken Fuß schräg nach links vor und tupfen mit der Ferse auf den Boden. Gleichzeitig hebt der Bursch beide Hände mit den gefaßten Dirndlhänden leicht an, damit sie ihren Oberkörper etwas gegen den Uhrzeigersinn  drehen kann, und sich beide kurz über die linke Dirndlschulter anschauen können. Am Ende von Takt 5 stellen die Tanzenden die Füße zurück und schauen wieder in Tanzrichtung.
6 Es folgt die gegengleiche Bewegung: Beide stellen den rechten Fuß schräg nach rechts vor, tupfen mit der Ferse auf den Boden und schauen sich über die rechte Dirndlschulter an. Am Ende von Takt 6 stellen beide die Füße zurück und schauen in Tanzrichtung.
7,8 Der Bursch löst die linke Handfassung, hebt die rechte Hand mit der gefaßten rechten vom Dirndl über Kopfhöhe, damit sich das Dirndl unter den Händen mit vier Schritten ein oder zweimal - je nach Temperament - vor dem Burschen im Uhrzeigersinn  um die eigenen Achse drehen kann. Der Bursch tritt die vier Schritte am Platz und hat während dieser Zeit seine Linke in seiner linken Hüfte einstützt oder am Rücken liegen. Am Ende von Takt 8 nehmen alle die Rheinländerfassung ein und schauen in Tanzrichtung.
[Während der Takte 7 und 8 wird das Tupfen und Anschauen wiederholt, wie in den Takten  5 und 6 beschrieben. Das Dirndl Drehen entfällt. Am Schluß wieder die Ausgangshaltung einnehmen.]

Damit ist ein Durchgang beendet. Der Tanz geht weiter mit dauernder Wiederholung der Figuren 1 und 2. Zum Schwarzwaldmädel gibt es einen Singtext:

  Mädel aus dem Schwarzen Walde sind nicht leicht zu haben.
Nur ein Schwabe hat die Gabe sich daran zu laben.
Bei der Wiederholung kann man eine Variante singen:
  Mädel aus dem Schwarzen Walde sind nicht leicht zu haben.
Nur ein Schwabe hat die Gabe stiehlt ins Herz sich rein!