Ausgabe April 2015, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Siebenschritt aus Thunau am Kamp.

Der Siebenschritt ist in verschiedenen Formen im ganzen deutschprachigen Raum verbreitet und wohl der verbreitetste deutsche Volkstanz. Er ist ein Bayerischer und Österreichischer Grundtanz. Nach Horak liegt die erste verläßliche Information darüber um 1830 aus der Rheinpfalz vor, die Melodie ist aber schon Ende des 18. Jahrhunderts aus Berlin und Umgebung belegt. Es gibt eine ganze Reihe von Veröffentlichungen zum Siebenschritt. Die hier vorgestellte Version kommt aus Thunau am Kamp im Waldviertel (Niederösterreich), vorgestellt in den Tanzbeschreibungen zur CD-Reihe "Taktvoll" von Franz Huber und Helene Oberradter (CD Nr.2). Thunau am Kamp liegt etwa 20 km nördlich von Krems/Donau. Raimund Zoder beschreibt diesen Siebenschritt in "Österreichische Volkstänze, dritter Teil. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1955". Wann diese spezielle Version entstanden ist, konnte ich nicht herausfinden.
Musikquelle: CD-Serie "Taktvoll", CD 2.
Herausgeber: Volkskultur Niederösterreich BetriebsGmbH
3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1.
Tanzbeschreibung
Bursch und Dirndl stehen auf der Kreisbahn nebeneinander, er mit Blick in, sie mit Blick gegen Tanzrichtung. Die Paare nehmen eine Art von "versetzter, normaler" Tanzhaltung ein, in der die rechten Hüften der beiden nahe beieinander sind. Sein linker Arm ist gebeugt und unterstützt den rechten Arm des Dirndls, ihre rechte Hand ruht auf des Burschen Oberarm mitten zwischen Ellenbogen und Schultergelenk. Seine rechte Hand liegt nahe dem linken Schulterblatt des Dirndls, sie legt ihre linke Hand in die Nähe des Schulterblattes des Burschen (Fürizwängerfassung). Keine Tanzbewegung während der muskalischen Einleitung.
Takt Schritte und Bewegungen
1. Figur: Je sieben Gehschritte in und gegen Tanzrichtung.
1,2 In der oben beschriebenen Fürizwängerfassung gehen die Paare sieben Schritte in Tanzichtung auf der Kreisbahn, er vorwärts, sie rückwärts. Er beginnt mit dem linken Fuß, sie mit dem Rechten. In der vierten Zählzeit des zweiten Taktes ist eine kleine Pause. Der rechte Fuß (ihr Linker) wird beigestellt aber nicht belastet; es gibt keinen Stampfer.
3,4 Ohne sich zu drehen oder die Handfassungen zu ändern, gehen die Paare sieben Schritte gegen Tanzichtung auf der Kreisbahn zurück, er rückwärts, sie vorwärts. Er beginnt mit dem rechten Fuß, sie mit dem Linken. In der vierten Zählzeit des vierten Taktes ist eine kleine Pause mit Beistellen der Füße, kein Stampfen.
2. Figur: Dirndl und Bursch drehen abwechselnd und dann gemeinsam.
5,6 Der Bursch löst seine rechte Hand von der Linken seines Dirndls. Er hebt seine linke Hand mit der gefaßten rechten des Dirndls über Kopfhöhe und sie dreht sich einmal im Uhrzeigersinn  durch dieses Armtor. Er hebt die gefaßten Hände so hoch, daß sie sich nicht bücken muß. Ohne die gefaßten Hände abzusenken, dreht er sich nun einmal gegen den Uhrzeigersinn  unter seiner linken Hand.
Im sechsten Takt wiederholen die Paare das abwechselnde Drehen im  und gegen den Uhrzeigersinn  noch einmal. Erst dreht sie, dann er unter den gehobenen, gefaßten Händen (seine Linke, ihre rechte Hand).
7,8 In Fürizwängerfassung gehen die Paare mit acht kleinen Schritten zweimal im Uhrzeigersinn  um die Paarachse.
Wiederholung der Figur 2.
9-12 Die Paare wiederholen die Figur 2 noch einmal: Sie drehen sich abwechselnd im  und gegen den Uhrzeigersinn , machen das zweimal nacheinander und gehen dann in Fürizwängerfassung mit acht kleinen Schritten zweimal im Uhrzeigersinn  um die Paarachse.

Damit ist ein Durchgang beendet. Der Tanz beginnt von vorne mit sieben Gehschritten in Tanzrichtung in Fürizwängerfassung. Bei den Tanzbeschreibungen zur CD-Reihe "Taktvoll" wird nicht auf Liedtexte verwiesen, was aber nicht davon abhalten sollte, übliche Siebenschritt-Texte zu diesm Tanz zu singen wie z.B.:

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,
Wo ist meine Frau geblieben,
Ist nicht hier, ist nicht da,
Ist wohl in Amerika.
Bauer bind den Pudel an,
Dass er mi net beißn kann.
Beißt er mi, klag i di,
Tausend Taler kostats di.
Jakob hat kein Brot im Haus,
Jakob macht das gar nichts aus.
Jakob hin, Jakob her,
Jakob ist ein Zottelbär
Tausend Taler is koa Geld,
Wann i nur a Maderl hätt,
die mi rupft, di mi zupft,
Die mit mir ins Bett nei hupft.