Ausgabe Oktober 2006, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Sonderburger Doppelquadrille

Sonderburg ist ein kleines Städchen auf der Insel Alsen in Nord-Schleswig im Süden Dänemarks, knapp 30 km nord-westlich von Flensburg. Der Tanz ist ein Kontratanz, der sich, unter dem Einfluß des Gesellschaftstanzes, im 18. und 19. Jahrhundert in Norddeutschland entwickelt hat. Bei den Internationalen Jugendfestwochen in Wewelsburg steht er regelmäßig auf dem Programm. Man trifft ihn in Tanzkreisen in der Münchner Gegend aber nur selten auf öffentlichen Volkstanzfesten.
Musikquelle: "Sonderburger Doppelquadrille", MC15607
Henry Hansens Spillemandskvartett, Produktion: Walter Kögler Verlag, Stuttgart.
Tanzbeschreibung
Zur Ausführung dieses Tanzes werden zwei Vierpaargruppen benötigt, die von der Musik aus gesehen hintereinander stehen. Die am nächsten zur Musik befindliche Gruppe bezeichnen wir mit "A", die zweite mit "B". Es stehen sich also zwei Reihen von je vier Paaren gegenüber. Bursch und Dirndl in offener Führungsfassung nebeneinander, sie rechts neben ihm. Die Innenhände sind gefaßt, die Unterarme werden waagerecht gehalten, die äußeren Arme hängen locker herab oder liegen zwanglos in Hüfthöhe am Rücken an. Der Tanz hat vier Figuren, sogenannte Kehren, die durch drei gleiche Zwischenfiguren voneinander abgesetzt sind.
Takt Schritte und Bewegungen
Einleitung.
1-4 Am Ende der musikalischen Einleitung begrüßen sich Bursch und Dirndl mit Kopfnicken. Keine Tanzbewegung.
Erste Kehre: Zwei Vierpaarkreise. (2 x 8 Takte)
1-8 Alle Burschen und Dirndl einer jeden Gruppe fassen sich an den Händen zu einem Stirnkreis mit vier Paaren. Dazu gehen die äußeren jeder Gruppe (= Flügelleute) zu Beginn etwas aufeinander zu und wandeln so die Linienaufstellung in eine Kreisformation um. Die Arme sind angewinkelt, die gefaßten Hände werden etwa in Schulterhöhe gehalten. In dieser Haltung gehen alle mit 16 Gehschritten im Uhrzeigersinn auf der Kreisbahn. Das Bilden des Kreises geht nahtlos in das Gehen im Kreis über, der Bewegungsfluß wird nicht unterbrochen. Am Ende von Takt 8 Richtungswechsel.
9-16 Die beiden Vierpaarkreise bewegen sich mit 16 Gehschritten gegen den Uhrzeigersinn . Die Fügelleute kehren am Ende des achten Taktes rückwärts zu ihrem Platz in der Linienaufstellung zurück, sodaß sich am Ende jeder wieder am Ausgangsplatz befindet.
Zwischenfigur. (8 x 8 Takte)
Die Paare der Gruppe B gehen durch die Gasse der Gruppe A. (8 Takte)
1-8 Die Tanzenden der Gruppe B gehen ohne Fassung schräg in Richtung Musik aufeinander zu, geben dem Gegenpartner die Innenhände, nehmen Führungsfassung ein, wenden sich ganz in Richtung Musik, und gehen vorwärts durch die Gasse, die von den Paaren der Gruppe A gebildet wird. Am Ende des 8. Taktes wird die Handfassung gelöst, alle machen mit einer halben Drehung über innen kehrt, nehmen Führungsfassung mit den "neuen" Innenhänden ein und gehen durch die Gasse zurück. Zum Schluß wenden sich die Tanzenden der Gruppe B ihren Gegenpartnern zu und gehen rückwärts auf ihren Ausgangsplatz.
Während dieser Figur können die Tanzenden der Gruppe A im Takt der Musik in ihre Hände klatschen.
Die Paare der Gruppe A gehen durch die Gasse der Gruppe B. (8 Takte)
1-8 Die Tanzenden der Gruppe A gehen von der Musik weg durch die Gasse, die von den Paaren der Gruppe B gebildet wird, kehren um und gehen am Ende von Takt 8 auf ihre Plätze zurück, entsprechend der Weise wie es die Gruppe B gemacht hat.
Zweipaarkreise gehen erst im dann gegen den Uhrzeigersinn herum. (16 Takte)
1-8 Die Gegenpaare gehen aufeinander zu, bilden einen Zweipaarkreis und gehen 16 Schritte im Uhrzeigersinn um den Kreismittelpunkt. Die Arme sind angewinkelt, die gefaßten Hände werden etwa in Schulterhöhe gehalten. Am Ende von Takt 8 Richtungsumkehr.
9-16 Die Zweipaarkreise drehen sich 16 Schritte gegen den Uhrzeigersinn um den Kreismittelpunkt. Am Ende von Takt 16 werden die Handfassungen gelöst und alle Paare kehren rückwärts auf ihren Ausgangsplatz zurück.
Zweimal englische Kette mit den Gegenpaaren. (16 Takte)
Englische Kette: Die Englische Kette ist eine Methode, wie zwei Paare den Platz wechseln können. Die Tanzenden gehen von einer Gegenüberstellung (Das Dirndl steht auf der rechten Seite vom Burschen) aufeinander zu. Die Burschen gehen rechtsschultrig an den entgegenkommenden Dirndln vorbei, und geben sich dabei kurz die rechte Hand. Im Augenblick des aneinander vorbei Gehens ergibt sich für die vier Tanzenden eine Reihe, in der die Burschen außen und die Dirndl innen stehen. Die Blickrichtung der Burschen und Dirndl ist engegengesetzt. Nachdem die Burschen die Handfassung mit dem fremden Dirndl gelöst haben und sie aneinander vorbeigegangen sind, gehen alle einzeln weiter zum Gegenplatz. Dies sind ein oder zwei kleine Schritte. Jeder Bursch faßt mit der linken die linke Hand seines eigenen Dirndls, welches beim Durchdringen der Paare auf gleicher Höhe mit ihm geblieben ist und legt seine rechte Hand von hinten an ihre rechte Hüfte, wo sie inzwischen auch ihre rechte Hand liegen hat. In dieser Haltung führt er sie (mit der linken Hand "zieht" er, mit der rechten "schiebt" er ein wenig) am Gegenplatz gegen den Uhrzeigersinn ein halbes mal herum zum Blick auf den eigenen Platz, den sie zu Beginn dieser Figur eingenommen haben und wo inzwischen das Gegenpaar angekommen ist. Wird die Figur hier beendet und bleibt man am Gegenplatz, spricht man von einer "Halben Englische Kette". Zum eigenen Platz kommt man mit einer weiteren "Halben Englischen Kette" zurück. Handfassungen lösen, auf das Gegenüberpaar zugehen, sich kurz die rechten Hände reichend rechtsschultrig am entgegenkommenden Dirndl vorbei gehen und das eigene Dirndl am eigenen Platz ein halbes mal gegen den Uhrzeigersinn herumführen. Handhaltungen wie oben. Damit ist die "Englische Kette" komplett.
 
1-16 Die Englische Kette, wird zweimal nacheinander ausgeführt. Alle Gegenpaare gehen zweimal auf den Gegenplatz und zurück. Pro Kette werden 16 Schritte gebraucht.
Polka Rundtanz (16 Takte.)
1-16 Alle acht Paare tanzen auf einer gemeinsamen, etwas in die Länge gezogenen, großen "Kreisbahn" Polka in geschlossener Rundtanzfassung einmal in Tanzrichtung im Kreis herum. Es ist darauf zu achten, daß sie am Ende des 16. Taktes wieder am Ausgangsplatz angekommen sind. Nicht überholen, alle müssen gleich schnell tanzen und gleichmäßigen Abstand halten.
Zweite Kehre: Zwei Dirndlkreise. (2 x 8 Takte)
1-16 Die Dirndl der Gruppen A und B gehen getrennt aufeinander zu, fassen sich an den Händen und bilden zwei Kreise. Die Dirndl der Gruppe A einen und die Dirndl der Gruppe B einen. Die Arme sind angewinkelt, die gefaßten Hände werden etwa in Schulterhöhe gehalten. In dieser Haltung gehen sie mit 16 Gehschritten im Uhrzeigersinn auf einer Kreisbahn, die zwischen den Burschen der entsprechenden Gruppen liegt. Die Burschen bleiben an ihren Plätzen stehen, schauen ihren Tänzerinnen zu und können im Takt der Musik in ihre Hände klatschen.
Am Ende von Takt 8 vollziehen die Dirndl einen Richtungswechsel und gehen dann 16 Schritte gegen den Uhrzeigersinn im Kreise herum. Sie müssen darauf achten, daß sie am Ende dieser acht Takte wieder an dem Platz stehen, von dem aus sie das Kreisen in Takt 1 begonnen haben, damit sie rückwärts gehend wieder auf den Ausgangsplatz neben ihren Burschen kommen.
Zwischenfigur. (8 x 8 Takte)
Wie zuvor: Gehen durch die Gasse, Zweipaarkreise, Englische Kette, Polka Rundtanz mit allen Paaren in einem gemeinsamen Kreis.
Dritte Kehre: Zwei Burschenmühlen. (2 x 8 Takte)
1-16 Am Ende der Zwischenfigur treten die Burschen der Gruppe A vor und fassen mit der rechten Hand das rechte Handgelenk des Vordermannes zur Mühle. Die rechten Arme sind gestreckt, die linken hängen locker herab oder liegen in Hüfthöhe am Rücken an. Genauso machen es die Burschen der Gruppe B, sodaß sich also zwei Burschenmühlen zwischen den Reihen der Dirndl befinden. Diese Mühlen kreisen 8 Takte lang (= 16 Schritte) im Uhrzeigersinn auf der Kreisbahn. Die Dirndl bleiben an ihrem Platz in der Reihe und können im Takt der Musik in ihre Hände klatschen. Am Ende von Takt 8 Gegenfigur einleiten: Handfassungen lösen, jeder Bursch dreht sich am Platze etwas im Uhrzeigersinn und greift mit der linken Hand das linke Handgelenk des Vordermannes zur linkshändigen Mühle.
Die Burschenmühlen drehen sich gegen den Uhrzeigersinn . Dabei muß darauf geachtet werden, daß die Burschen am Ende des 16. Taktes wieder an dem Platz stehen, von dem aus sie die Mühle in Takt 1 begonnen haben, damit sie rückwärts gehend wieder neben ihr Dirndl treten können.
Zwischenfigur. (8 x 8 Takte)
Wie zuvor.
Vierte Kehre: Großer Kreis. (2 x 8 Takte)
1-16 Die an den Enden der Reihen stehenden Burschen und Dirndl gehen aufeinander zu; alle fassen sich an den Händen und bilden einen einzigen großen Stirnkreis, der sich mit jeweils 16 Gehschritten 8 Takte im und 8 Takte gegen den Uhrzeigersinn auf einer lang gezogenen "Kreisbahn" dreht. Die Arme sind gestreckt. Am Ende des letzten Taktes bleiben alle im Kreis stehen und bedanken sich durch Kopfnicken bei den Partnen zur linken und rechten für den Tanz. Die Ausgangsaufstellung in der Doppelreihe wird nicht mehr eingenommen.

Damit ist der Tanz beendet.