Ausgabe September 2013, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Stephanie-Polka

Die Polka als Rundtanz im zwei-viertel Takt kam ca. 1830 in der Gegend vom ehemaligen Königgrätz in Böhmen auf, wie Otto Schneider im Tanz Lexikon (Schott Verlag, Mainz) ausführt. Er schreibt weiter, daß die Polka keine fest datierbare, völlig neue Erfindung gewesen sei, sondern ihre Schritte bereits um 1810 beim Schottisch getanzt wurden.
[Ganz nebenbei: Georg von Kaufmann soll in seinem Heft "Chiemgauer Tänze" gesagt haben, daß für ihn Schottisch und Rundpolka immer dasselbe gewesen sei. Ob das Anfang des 19.Jh auch gestimmt hätte, weiß ich nicht. Der Schottisch wird heutzutage meistens langsamer als die Rundpolka gespielt, was aber kein Widerspruch zu v. Kaufmanns Aussage sein soll.]
Ab 1844 wurde dann die Polka der Gesellschaftstanz schlechthin, nachdem sie sich in Paris bereits durchgesetzt hatte. Es entwickelten sich im Laufe der Zeit viele Sonderformen, die im Volkstanz, wie auch die Rundpolka selbst, erhalten blieben, nachdem um die Wende zum 20.Jh die Polka als Gesellschaftstanz aus der Mode kam, wie ich oben genanntem Lexikon entnommen habe.
Eine Sonderform der Polka ist die hier vorgestellte Stephanie-Polka. Die Musik dazu hat Herzog Max in Bayern (1808-1888) komponiert (Op. 33). Die Erstveröffentlichung geschah in München durch Falter und Sohn im Mai 1847. Ingeborg Heinrichsen hat in den 1980/90er Jahren bei den Redouten der Kapelle "I Musicanti Bavaresi" die Ansagen gemacht und für diese Tanzfeste die Choreographie zur Stephanie-Polka entwickelt und 2004 bei eines ihrer Wochenendseminare veröffentlicht. Seitdem wird dieser Tanz in München und Umgebung zu mindest in einigen Tanzkreisen gepflegt.
Musikquelle:  Lehrgangs-MC.
Die Aufnahme entstand mit der Kapelle "I Musicanti Bavaresi" in Zusammenarbeit mit Ingeborg Heinrichsen.
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare auf der Kreisbahn. Bursch und Dirndl stehen sich gegenüber und bilden zwei konzentrische Kreise. Die Burschen stehen im inneren Kreis mit dem Rücken zur Kreismitte (Stirndoppelkreis). Der Tanz ist im 2/4 Takt.
Erster Durchgang
Takt Schritte und Bewegungen
Musikalische Einleitung, Rheinländerfassung einnehmen.
1-3 Beim Beginn des Vorspiels begrüßen sich die Paare und nehmen Rheinländerhaltung ein: Beide wenden sich in Tanzrichtung, der Bursch macht also eine Vierteldrehung gegen den , das Dirndl eine solche im Uhrzeigersinn  um die eigene Achse. Am Ende des Vorspiels steht das Dirndl schräg rechts vor dem Burschen auf der Kreisbahn. Beide schauen in Tanzrichtung. Die rechten Hände sind gefaßt und ruhen leicht auf der rechten Schulter des Dirndls. Die linken Arme mit den gefaßten Händen sind zur Kreismitte gestreckt. Diese Haltung heißt Rheinländerfassung.
1. Figur: Wechselschritt nach links und rechts in Rheinlänerfassung,
                dann dreht sich das Dirndl einmal ↶.
Alles 4 x.
1,2 In der angegebenen Rheinländerhaltung beginnen alle mit dem linken Fuß und machen in den ersten drei Achteln einen Wechselschritt nach schräg links vorwärts. Im vierten Achtel des ersten Taktes hüpfen beide einmal auf dem linken Fuß auf. Im zweiten Takt machen beide, mit dem rechten Fuß beginnend, einen Wechselschritt nach schräg rechts und hüpfen einmal auf dem rechten Fuß auf. Am Ende von Takt 2 lösen die Paare die Fassung der linken Hände.
3,4 Der Bursch hebt die gefaßten rechten Hände und hält sie dem Dirndl über den Kopf. Sie dreht sich unter diesen mit vier Hüpfschritten einmal gegen den Uhrzeigersinn  um die eigene Achse und kommt dabei etwas in Tanzrichtung vorwärts. Der Bursch geht mit Hüpfschritten in Tanzrichtung mit. (Ein Hüpfschritt ist ein Schritt mit nachfolgendem Aufhüpfen auf demselben Fuß.) Am Ende von Takt 4 wieder Rheinländerhaltung einnehmen.
5-16 Die Rheinländerschritte und das Drehen des Dirndls werden noch dreimal wiederholt, also insgesamt viermal ausgeführt, wie in den Takten 1-4 beschrieben, jedoch nehmen die Paare am Ende von Takt 16 vordere Kreuzhandfassung ein:
Der Bursch senkt die gefaßten rechten Hände vor dem Dirndl etwa auf Hüfthöhe ab und faßt zusätzlich mit seiner linken Hand die linke seines Dirndls unter den rechten Händen. Beide stehen nun nebeneinander, das Dirndl rechts neben dem Burschen und schauen in Tanzrichtung (Flankendoppelkreis).
2. Figur: Wechselschritt nach links und rechts in Kreuzhandfassung,
                dann rechte Handtour ↷.
Alles 4 x.
1,2 In der angegebenen Kreuzhandfassung beginnen alle mit dem linken Fuß und machen einen Wechselschritt nach schräg links vorwärts. In der letzten Zählzeit des ersten Taktes hüpfen beide einmal auf dem linken Fuß auf. Im zweiten Takt machen beide, mit dem rechten Fuß beginnend, einen Wechselschritt nach schräg rechts vorwärts und hüpfen einmal auf dem rechten Fuß auf. Am Ende von Takt 2 lösen die Paare die Fassung der linken Hände.
3,4 Die Paare nehmen rechte Handtourfassung ein: Bursch und Dirndl drehen sich zueinander (er im , sie gegen den Uhrzeigersinn ), stellen sich rechtsschultrig nebeneinander, halten die rechten Oberarme waagerecht und die Unterarme aufwärts gewinkelt, die Ellenbogen liegen aneinander. Die Innenhandflächen sind in Kopfhöhe so gegeneinander gelegt, daß jeder die Außenseite der Hände des Partners sieht. Die freien Hände liegen "aufgeräumt" am Rücken. In dieser Handhaltung drehen sich die Paare gemeinsam mit 4 Hüpfschritten im Uhrzeigersinn um die Paarachse. Am Ende von Takt 4 Handfassung lösen und Kreuzhandfassung einnehmen.
5-16 Die Wechselschritte nach links und rechts und die Handtour werden noch dreimal wiederholt, also insgesamt viermal ausgeführt, wie in den Takten 1-4 der zweiten Figur beschrieben, jedoch nehmen die Paare am Ende von Takt 16 Rundtanzfassung in Körblfassung ein.
3. Figur: Polka française und Dreher Alles 4 x.
1,2 In Rundtanzfassung mit Körblfassung tanzen die Paare Polka und drehen sich in zwei Takten einmal im Uhrzeigersinn  um die gemeinsame Achse: In den ersten drei Achteln von Takt 1 machen sie einen Wechselschritt und hüpfen im vierten Achtel einmal auf dem Standbein auf, wobei sie gleichzeitig das unbelastete Bein deutlich anheben und wieder absenken. Der Bursch beginnt mit dem linken (l r l l), das Dirndl mit dem rechten Fuß (r l r r).
In Takt 2 werden die Bewegungen gegengleich wiederholt. Der Bursch tanzt r l r r, das Dirndl l r l l.
3,4 In den folgenden zwei Takten tanzen die Paare Dreher und sollten dabei pro Takt eine ganze Drehungen machen: In der ersten Zählzeit von Takt 3 steht der Bursch auf dem rechten, das Dirndl auf dem linken Fuß. Er stellt den linken Fuß, im Uhrzeigersinn  gedreht, nach vorne, sie dreht den rechten Fuß im Uhrzeigersinn . Nun belastet er den linken und sie den rechten Fuß.
In der zweiten Zählzeit machen beide die gegengleiche Fußbewegung: Er steht auf dem linken, das Dirndl auf dem rechten Fuß. Er dreht den rechten Fuß im Uhrzeigersinn , sie stellt den linken Fuß, im Uhrzeigersinn  gedreht, nach vorne. Nun belastet er den rechten und sie den linken Fuß.
In Takt 4 werden die Schritte von Takt 3 wiederholt.
Beim Dreher werden der Oberkörper und der Kopf ruhig gehalten, es gibt keine Auf- und Abbewegung auch nicht der Arme, sofern man die gewöhnliche Tanzhaltung gewählt hat. Eine aufrechte Haltung ist selbstverständlich, auf kleine Schritte ist zu achten. Die Drehung ist gleichmäßig fließend. Die Füße bleiben dicht beieinander, die Oberkörper sind etwas voneinander entfernt. Die bei schnellerem Drehen auftretenden Fliehkräfte werden von Bursch und Dirndl gleichermaßen aufgefangen.
5-16 Die Polka française und der Dreher werden noch dreimal wiederholt, also insgesamt viermal ausgeführt, wie in den Takten 1-4 der dritten Figur beschrieben.
Am Ende von Takt 16 nehmen die Paare normale Tanzfassung auf der Kreisbahn ein. Die Burschen stehen im inneren Kreis mit dem Rücken zur Kreismitte (Stirndoppelkreis).
4. Figur: Seitgalopp in Tanzrichtung, Paschen. Alles 4 x.
1,2 Bursch und Dirndl machen drei Seitgaloppschritte und einen Nachstellschritt in Tanzrichtung. Er beginnt mit dem linken, sie mit dem rechten Fuß:
Im ersten Achtel des ersten Taktes macht er mit dem linken, sie mit dem rechten Fuß einen Schritt seitwärts in Tanzrichtung und belasten ihn.
Im zweiten Achtel macht der Bursch einen kleinen Hupfer, bei dem er den linken Fuß in Tanzrichtung bewegt und gleichzeitig den rechten Fuß an die Stelle setzt, wo der linke gewesen ist (Seitgaloppschritt nach links). Das Dirndl macht es gegengleich. Im zweiten Viertel des ersten Taktes machen alle den zweiten Seitgaloppschritt in Tanzrichtung.
Im ersten Viertel des zweiten Taktes folgt der dritte Seitgaloppschritt und im zweiten Viertel dann ein Schlußsprung in Tanzrichtung, bei dem die Paare ihre Füße nebeneinander stellen. Bursch und Dirndl stehen sich wieder gegenüber wie zu Beginn der vierten Figur.
3,4 In Takt 3 schlägt der Bursch einmal auf seine Oberschenkel und dann vor dem Oberkörper einmal in seine eigenen Hände. Das Dirndl pascht zweimal vor dem Oberkörper in die eigenen Hände.
Im vierten Takt schlagen beide dreimal in Schulterhöhe in die Hände des Partners (rechts in links und links in rechts).
Am Ende des vierten Taktes nehmen die Paare wieder normale Tanzfassung ein.
5-16 Der Seitgalopp und das Paschen werden noch dreimal wiederholt, also insgesamt viermal ausgeführt, wie in den Takten 1-4 der vierten Figur beschrieben.
Am Ende von Takt 16 nehmen die Paare wieder Rheinländerfassung ein, wie zu Beginn der Figur 1.
Zweiter Durchgang
  Der zweite Durchgang der Stephanie-Polka ist eine exakte Wiederholung des ersten Durchgangs.
1-16 Wechselschritte in Rheinländerfassung, Dirndl dreht, wie Figur 1, alles 4 x.
1-16 Wechselschritte in Kreuzhandfassung, Handtour, wie Figur 2, alles 4 x.
1-16 Polka française, Dreher, wie Figur 3, alles 4 x.
1-16 Seitgalopp, Paschen, wie Figur 4, alles 4 x.
Dritter Durchgang
  Beim dritten Durchgang werden die Figuren 1 und 2 zwar wiederholt wie bei den ersten beiden Durchgängen, jedoch nur zweimal nacheinander ausgeführt. Die Figuren 3 und 4 sind gegenüber den ersten beiden Durchgängen leicht verändert.
1. Figur: Wechselschritte in Rheinländerfassung, Dirndl dreht. Alles 2 x.
1-8 Ausführung der Bewegungen wie im ersten Durchgang, Figur 1.
  2. Figur: Wechselschritte in Kreuzhandfassung, Handtour. Alles 2 x.
1-8 Ausführung der Bewegungen wie im ersten Durchgang, Figur 2.
  3. Figur: Rundpolka.
1-8 Die Paare tanzen acht Takte Polka in normaler Rundtanzfassung.
  4. Figur: Dreher.
1-7 Die Paare tanzen sieben Takte Zweischritt-Dreher, siehe zweiter Teil der Figur 3 im ersten Durchgang.

Damit ist der Tanz beendet. Wenn jemand die ersten drei Figuren nicht mit Hüpfen ausführen möchte, kann man diese auch ohne Hüpfen tanzen. Beim Seitgalopp in der vierten Figur läßt sich dieses allerdings kaum bewerkstelligen.