Ausgabe Juni 2009, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Yspertaler Landler

Der Yspertaler Landler stammt aus Dorfstetten an der Kleinen Ybbs, deren Mittellauf die Grenze zwischen dem Mühl- (OÖ Westseite) und dem Waldviertel (NÖ Ostseite) bildet. Der Ort liegt nördlich der Donau, die hier nur ca. 10 km entfernt im Süden verläuft, und liegt ca. 20 km nord-nordwestlich von Ybbs im Waldviertel, das zu Niederösterreich gehört. Herbert Lager hat diesen Tanz aufgezeichnet und 1990 in der Schriftenreihe Volkstanz, Heft 4, "Landler, Waldviertel und Umland von Ybbs" auf den Seiten 30-38 veröffentlicht. Eine Kurzbeschreibung findet sich auf Seite 55 der Schriftenreihe Volkstanz, Heft 7, "Landler, Strudengau und Umland von Amstetten" von Sissy Banner und Volker Derschmidt, herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz, Graz 2003. Herbert Lager weist in dem genannten Heft bereits darauf hin, daß sich der Yspertaler Landler im Laufe der Zeit verändert hat, was sich besonders auf das Stampfen in der ersten Figur sowie auf die Blickrichtung beim Landlerdrahn bezieht, denn ich konnte feststellen, daß beim öffentlichen Tanz in der Münchner Gegend von der Tanzbeschreibung Herbert Lagers abgewichen wird. Der Yspertaler Landler wird in unserer Gegend in Tanzkreisen gepflegt und kommt gelegentlich auch auf anspruchsvolleren öffentlichen Tanzfesten vor.
Musikquelle: CD Nr.1 aus der Serie Taktvoll (Volkstänze aus Niederösterreich)
Herausgeber: Volkskultur Niederösterreich Betriebs-GmbH, 3452 Atzenbrugg, Schloßplatz 1
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare auf der Kreisbahn mit Blick in Tanzrichtung. Das Dirndl ist auf der rechten Seite vom Burschen und hat sich mit ihrem linken Arm am rechten Burschenarm eingehängt. Die Außenarme hängen locker herab, die Hände können auch in Hüfthöhe am Rücken angelegt sein. Keine Tanzbewegung während der musikalischen Einleitung.
Takte Schritte und Bewegungen
1. Figur: Pendelnder Dreierschritt, Bursch betont das erste Viertel eines jeden Taktes.
1 Das Dirndl hat sich beim Burschen eingehängt, ihre rechte Hand ist in der Hüfte eingestützt. Der Bursch läßt den linken Arm locker hängen.
Im ersten Viertel schreiten beide mit dem linken Fuß in Tanzrichtung aus, übertragen das Gewicht auf ihn und heben gleichzeitig den rechten Fuß etwas vom Boden ab, bewegen ihn aber kaum in Tanzrichtung. Der Bursch soll den linken Fuß gestampft, mindestens aber betont aufsetzen.
Im zweiten Viertel belasten beide den rechten Fuß, und heben den linken etwas vom Boden ab. Dieses gelingt nur, wenn dabei der Körperschwerpunkt eine leichte Bewegung rückwärts macht. Der linke Fuß bleibt am Ort, macht also keine Bewegung in oder gegen Tanzrichtung.
Im dritten Viertel wird der linke Fuß wieder auf den Boden gestellt, belastet und der rechte Fuß vom Boden abgehoben. Der Körperschwerpunkt bewegt sich ein wenig vorwärts. Auf diese Weise ist ein leichte Pendelbewegung vor und zurück entstanden.
2 Es folgt die gegengleiche Bewegung: Beide schreiten mit dem rechten Fuß aus, stellen ihn mit Gewichtsübertragung um einiges vor den linken, heben den linken Fuß leicht an, ohne ihn viel in Tanzrichtung zu führen, stellen ihn wieder auf den Boden, heben den rechten Fuß vom Boden ab und stellen ihn im dritten Viertel des zweiten Taktes wieder hin. Die Paare pendeln so ein wenig in Tanzrichtung hin und her. Der Bursch sollte beim Ausschreiten im ersten Viertel des Taktes den rechten Fuß betont aufsetzen.
3-8 Die pendelnden Dreierschritte, wie in den Takten 1 und 2 beschrieben, werden noch dreimal wiederholt, also insgesamt viermal ausgeführt.
2. Figur: Pendelnder Dreierschritt, Burchen paschen dreimal pro Takt.
1-8 Pendelnder Dreierschritt wie in der ersten Figur, das Dirndl ist beim Burschen untergehakt und hat ihre rechte Hand in der Hüfte eingestützt. In den ersten sieben Takten paschen die Burschen dreimal pro Takt, beim achten Takt nur einmal im ersten Viertel. Wenn möglich sollten einige Burschen zwischenpaschen.
3. Figur: Arme schwingen, linksschultrige Mühle, Bursch geht ↷ durchs Armtor.
1 Zu Beginn von Takt 1 wenden sich Bursch und Dirndl zueinander, er im  sie gegen den Uhrzeigersinn  und fassen sich an den ungleichnamigen Händen (Er faßt also mit der rechten ihre linke und mit der linken ihre rechte Hand.) Der Bursch blickt nach kreisaußen. Die Hände werden etwa in Hüfthöhe mit körperbreitem Abstand nebeneinander gehalten (nicht dicht nebeneinander wie sonst üblich), und gegen Tanzrichtung geschwungen.
2 Die Hände werden in Tanzrichtung geschwungen und am Ende von Takt 2 nehmen die Paare linksschultrige Mühlenfassung ein, d.h. die linken Schultern sind nahe beieinander, die Handfassung bleibt erhalten. Für ein harmonische Gelingen führt der Bursch beim Schwingen der Arme in Tanzrichtung seine linke Hand weit nach links während er die rechten Hand deutlich zurück hält. Im dritten Viertel dieses Taktes haben beide die linken Arme gestreckt, die rechten im Ellenbogen angewinkelt. Bei diesem und dem vorherigen Takt treten die Tanzenden die Dreierschritte am Platz.
3-6 Die Paare drehen sich in der Mühlenfassung mit vier Dreierschritten 1½ mal gegen den Uhrzeigersinn  um die Paarachse. Am Ende schaut der Bursch zur Kreismitte.
7,8 Der Bursch löst die Fassung der linken Hand, hebt den rechten Arm mit der gefaßten Linken des Dirndls und geht mit zwei Dreierschritten durch dieses Armtor. Er macht dabei eine viertel Drehung im Uhrzeigersinn . Gleichzeitig geht das Dirndl mit einer viertel Drehung gegen den Uhrzeigersinn  um den Burschen herum auf den Außenplatz. Beide stehen nun nebeneinander mit Blick in Tanzrichtung, die Innenhände in Brusthöhe gehalten und leicht in Tanzrichtung vorgeschwungen.
4. Figur: Sechsmal viertaktiges Landlerdrahn.
1,2 Der Bursch hebt seine rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls und hält sie dem Dirndl über den Kopf. Unter den Händen dreht sie sich zweimal gegen den Uhrzeigersinn . Gleichzeitig umrundet der Bursch sein Dirndl ein halbes mal im Uhrzeigersinn  und schaut dann gegen Tanzrichtung. Er senkt seine rechte Hand, und bildet eine Schranke, indem er seinen rechten Arm Richtung Kreismitte streckt, wobei er die Hand etwa in Hüfthöhe hält, und dadurch die Drehbewegung seines Dirndls abbremst. Er schaut am Ende von Takt 2 gegen, sie in Tanzrichtung.
3 In der Haltung mit der Schranke drehen sich beide eine halbe Umdrehung im Uhrzeigersinn Er schaut am Ende von Takt 3 in, sie gegen Tanzrichtung.
4 Er hebt seine rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls und dreht sein Dirndl ziemlich schnell mit einer kurbelnden Bewegung einmal im Uhrzeigersinn  um ihre Achse. Danach senkt er seinen Arm wieder, bremst die Drehung ab und führt die gefaßten Hände ein wenig in Tanzrichtung vor (Hakerl), um die Wiederholung des Landlerdrahns vorzubereiten.
Wenn auch das Dirndl sich in Takt 4 der vierten Figur nur einmal drehen sollte, wie Herbert Lager in der eingangs genannten Tanzbeschreibung ausführt, so wird daraus in der Tanzpraxis wohl mehr als eine ganze Drehung, weil es sich auf diese Weise wohl etwas flüssiger tanzen läßt. Die Hinweise auf Blick- bzw. die Körperrichtung des Dirndls am Ende von Takt 4 sollten also nicht auf die "Goldwaage" gelegt werden.
5-8 Das Landlerdrahn wird in der zweiten Häfte des ersten achtaktigen Musiksatzes der vierten Figur wiederholt:
Der Bursch hebt seine rechte Hand und umrundet sein Dirndl ein halbes mal im Uhrzeigersinn , sie dreht sich gegen den Uhrzeigersinn  bis er sie mit der Schranke anhält. Er schaut dann gegen, sie in Tanzrichtung. In dieser Haltung erfolgt eine halbe gemeinsame Drehung im Uhrzeigersinn  an deren Ende das Dirndl einmal im Uhrzeigersinn  ausgedreht wird.
9-24 Es folgen zwei weitere achttaktige Musiksätze in der vierten Figur, innerhalb derer das Landlerdrahn noch 4 mal wiederholt wird. Insgesamt wird das Landlerdrahn in Figur 4 also sechsmal durchgeführt.
Kadenz: Landlerdrahn und Einhängen.
1-5 In der Kandenz wird das Landlerdrahn ein siebtes mal durchgeführt wie in den Takten 1-4 der 4. Figur beschrieben, jedoch wird das letzte kurbelnde Ausdrehen im Uhrzeigersinn  und das Vorführen der Innenhände in Tanzrichtung (Takt 4 der 4. Figur) auf zwei Takte ausgedehnt.
6,7 Während der letzten beiden Takte der Kadenz hängt sich das Dirndl beim Burschen ein. Beide nehmen wieder die Ausgangsstellung mit Front in Tanzrichtung ein.

Damit ist ein Durchgang des Landlers beendet. Die Figuren 1 bis 4 einschließlich Kadenz können mehrmals durchgetanzt werden, jedoch entfällt diese beim letzten Durchgang laut Beschreibung von Herbert Lager. In der Münchner Gegend habe ich jedoch beobachtet, dass auch beim letzten Durchgang die Kadenz gespielt wurde; man wird sich beim Tanzen nach der Musik richten.
Das Singen beim Landlertanzen war früher allgemein üblich, ist aber heute nicht mehr so weit verbreitet und wird beim Yspertaler Landler in unserer Gegend nicht praktiziert. Nachfolgend einige Vierzeiler, die zu diesem Landler passen und bei der zweiten Figur gesungen werden können:

's Diandl hat gsagt,
Was bist du für oana?
Wanns'd a Kropfata bist,
Is ma liaba koana.
Musikantn san Lumpn,
Voraus de Junga.
Da schreit scho da Gaidbeidl
Vor lauta Hunga.
Wann da Wirt Holzschua tragt,
Und und die Frau Wirtin a,
Dann is da Wein nix nutz,
Und's Wirtshaus a.